Berlin : Böse Buben

Harald Schmidt ist harmlos gegen das, was Stermann und Grissemann bieten – heute im BKA

Dennis Reineck

Harald Schmidt schickte einst die Mitarbeiter seiner Produktionsfirma zu einer Aufführung der Wiener Kabarettisten Dirk Stermann und Christoph Grissemann in Berlin. Fazit: Das sei alles zu böse. Das sagt schon viel aus über den Humor der beiden, gilt doch Harald Schmidt selbst als nicht gerade zimperliches Lästermaul. Im Vergleich mit den beiden, so schrieb die „Süddeutsche Zeitung“, sei Schmidt ein braver Nachrichtensprecher. Gnadenlos und geistreich rechnet das Duo mit jedem und allem ab, was ihm in die Quere kommt.

In Österreich sind die beiden Stars. In Berlin sind die beiden aus der wöchentlichen Radio-Eins-Sendung „Show Royale“ – wenn sie ausgehen, erkennt sie niemand. Das findet Dirk Stermann auch gut so: „Österreich ist ja relativ klein. Da hat man das Gefühl, dass alles, was man macht und sagt, öffentlich ist, selbst im Supermarkt.“

Seit Jahren moderieren Stermann und Grissemann die Kult-Sendung „Salon Helga“ im Wiener Radiosender FM4. Einzelne Formate wurden für das Fernsehen adaptiert. Hinzu kommen Kabarettshows, Bücher (meist zum jeweiligen Kabarettprogramm) und filmische Gehversuche. In Berlin hatten sie jedoch zunächst einen schweren Stand. Als die „Show Royale“ vor nunmehr sechs Jahren auf Sendung ging, hieß es nach zwei Folgen, die Programmdirektion wolle die Show wieder absetzen. Glück für die Kabarettisten: Helmut Lehnert, Chefredakteur von Radio Eins, machte sich für sie stark. Sie durften bleiben. Stermann meint, es sei im Rückblick einfach ein Gewöhnungsprozess gewesen: „Wenn man sich an eine Sache gewöhnt hat, dann ist das so wie Regen. Das kennt man dann.“ Letztendlich überzeugten die beiden also doch durch ihren ganz eigenen Humor.

Das Geheimnis ihres bisherigen Erfolgs sieht Dirk Stermann in der eigenen Leidenschaftslosigkeit. „Wir wollen halt nicht irgendetwas“, sagt er. „Ich halte das ja selber als Konsument nicht mehr aus, dass alles so einem Professionalismus unterworfen ist, alles ist formatiert und überlegt.“ Genau dagegen wehren sich Stermann und Grissemann. Man könne auch einfach mal unlustig und unspontan sein. Auch das gelingt den beiden in ihrer Berliner Sendung bisweilen hervorragend. In Wien ließen sie unlängst den langweiligsten Menschen Österreichs küren.

Für Stermann ist Wien durch eine Art „grundsätzliche Resignation“ gekennzeichnet. Ein ideales Umfeld zum Auftanken also. Einmal im Monat sind er und Kollege Grissemann dann in Berlin. Drei Sendungen „Show Royale“ werden aufgezeichnet, eine läuft live – dazu noch jeden ersten Sonntag im Monat die aktuelle Kabarettshow „Willkommen in der Ohrfeigenanstalt“.

Die beiden Tage in Berlin seien sehr anstrengend, so Stermann. „Berlin ist wie auf Schicht fahren. Man steigt in den Korb – und unser Schacht heißt Berlin. Wenn man rauskommt, kann man noch duschen und Fußball gucken.“

Stermann und Grissemann: „Willkommen in der Ohrfeigenanstalt“, heute im BKA-Theater am U-Bhf. Mehringdamm, Beginn 20 Uhr. Karten unter 2022007. Außerdem: am 7. Dezember im BKA Theater und 17. Dezember im Nicolaisaal, Potsdam.

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