Bombardier : Zug der Hoffnung

Mit einer aufwendigen Party hat Bombardier die Nahverkehrsbahn „Talent 2“ präsentiert. Vom Erfolg des Zuges hängt für den Eisenbahnkonzern viel ab - das neue Modell soll die Zukunft des Bombardier-Werks in Hennigsdorf sichern.

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Zug der Hoffnung: "Bombardier Talent 2" -Foto: ddp

BerlinBislang existiert der Hoffnungsträger nur als virtuelles Modell. Per Computeranimation bekommt die Mehrzahl der Beschäftigten des Bombardier-Werks in Hennigsdorf am Montagabend erstmals den neu entwickelten Nahverkehrszug "Talent 2" zu Gesicht. "Der sieht janz jut aus", kommentiert ein Monteur trocken. Vom Erfolg hängt für die Hennigsdorfer Beschäftigten viel ab. Denn die Mitarbeiter des brandenburgischen Werks, das in der Vergangenheit des Öfteren von der Schließung bedroht war, sollen den Zug ab 2008 produzieren. Die Deutsche Bahn hat bereits die Abnahme von bis zu 321 Exemplaren in Aussicht gestellt, 42 sind bereits fest bestellt.

Rein äußerlich unterscheidet den neuen Zug nicht allzu viel von einer herkömmlichen Regionalbahn. Das Design kommt etwas schnittiger daher, das Modell ist vorerst in Silber gehalten. Nach Angaben der Entwickler soll der Zug vor allem durch seine Flexibilität überzeugen. Innenraum und Fahrgestell seien im "Baukasten-Prinzip" aufgebaut, so dass sie besser auf die Bedürfnisse der Besteller abgestimmt werden können. Bis zu 250 verschiedene Varianten seien so denkbar, sagt Stéphane Rambaud-Measson, Chef der Bombardier-Sparte "Mainline & Metros".

Vorgänger mit Kinderkrankheiten

Das Vorgängermodell, das seit 1996 vom Band lief, hatte nicht überall Begeisterung ausgelöst. Im österreichischen Salzburg etwa wurden nach der Einführung des Zuges Mitte 2004 über 400 Störungen in drei Monaten gezählt. Die österreichische Bundesbahn verteidigte die Pannen des Zuges damals als "Kinderkrankheiten".

Beim "Talent 2" soll alles besser werden. Hohe Erwartungen hätten in der Vergangenheit nicht immer erfüllt werden können, räumt DB-Regio-Vorstand Ulrich Homburg ein. Mittlerweile sei aber aus Fehlern gelernt worden. Schließlich soll der "elektrische Triebzug Talent 2" künftig Basismodell der Bahn im schnellen Regional- und S-Bahn-Verkehr werden. Per Rahmenvertrag hatten Bombardier und Bahn schon im Februar die Lieferung von bis zu 321 Zügen vereinbart. Ende 2010 sollen die ersten Züge dann als S-Bahn in Nürnberg in Betrieb gehen.

Hoffnung für Standort Henningsdorf

Der krisengeschüttelte Bombardier-Standort Hennigsdorf hatte in den vergangenen Jahren wegen zu geringer Auslastung mehrfach vor dem Aus gestanden, mehrere Hundert Mitarbeiter waren entlassen worden. Jetzt ist wieder von Neueinstellungen die Rede. Der Vertrag mit der Bahn biete eine "klare Zukunftsperspektive" für den Standort, sagt Stephan Krenz, Geschäftsführer von Bombardier Deutschland. Künftig sollten vor allem Ingenieure, Trainees und Auszubildende neu eingestellt werden. Dank des Rahmenvertrages mit der Bahn sei die Basisauslastung bis 2014 abgesichert, sagt Krenz.

Viele in der Belegschaft hoffen nun, dass ihre Arbeitsplätze "über einen gewissen Zeitraum" sicher seien, wie ein Mitarbeiter der Endmontage sagt. "Wir gehen davon aus, dass es jetzt nach oben geht", pflichtet ihm ein Kollege bei. Ein Ingenieur am Nebentisch hat bereits von dem Projekt profitiert, wenn auch nur als Leiharbeiter. Seit etwa anderthalb Monaten arbeite er an der Verkabelung der Waggons mit.

Konzernführung und Landespolitiker ließen sich die aufwendige Party zur Vorstellung des "Talent 2" mit Lasershow, schwebenden Trommlern und TV-Moderatorin Barbara Schöneberger als Präsentatorin denn auch nicht entgehen. Selbst Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) kam vorbei und kündigte den Beginn einer "neuen Etappe" für Hennigsdorf an. "Wir sind durch die Talsohle durch", rief er den rund 1000 versammelten Beschäftigten zu. (mit ddp/lbg)

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