Berlin : Bombe am Ostkreuz verursacht Verkehrschaos

Alle Bahnlinien unterbrochen, Wohnviertel geräumt Bombe konnte erst spätabends entschärft werden

Vom frühen Abend an ging gestern am Ostkreuz nichts mehr: Rund 9600 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen, Restaurants die Gäste nach Hause schicken. Der S-Bahn- und Regionalbahnverkehr rund um den Schienenknotenpunkt war ab 18.30 Uhr komplett unterbrochen, die Polizei sperrte im Umkreis von 500 Metern alle Straßen, was zu langen Staus führte. Der Fund einer 500 Kilo schweren amerikanischen Weltkriegsbombe bei Bauarbeiten nahe des denkmalgeschützten Wasserturms an der Ecke Markgrafenstraße/Hauptstraße löste ein Chaos aus. Erst kurz nach 21 Uhr konnte der knapp zwei Meter lange Sprengkörper entschärft werden.

Bauarbeiter hatten die Bombe bereits gegen 13.30 Uhr gefunden. Danach wurde der Verkehr erst einmal nur 15 Minuten auf allen Gleisen unterbrochen, weil man hoffte, die Bombe gefahrlos abtransportieren zu können. Schnell wurde aber klar, dass man sie an Ort und Stelle entschärfen musste, dies setzte jedoch umfangreiche Verkehrssperrungen und eine stundenlange Räumungsaktion voraus. Bis die Aktion voll im Gange war, ließ man den Schienen- und Straßenverkehr noch bis 18.30 Uhr laufen.

Danach mussten nach Bahnangaben über 50 000 Fahrgäste der S-Bahn in die U-Bahn oder Busse umsteigen. Die nahe U-Bahnlinie 5 war völlig überfüllt. Denn die Züge der Linien S3, S5, S7, S8, S9, S75, S41 endeten vor dem Ostkreuz in den Bahnhöfen Ostbahnhof, Nöldnerplatz, Treptower Park und Frankfurter Allee. Die Regionalzüge der Linien RE 1, RE 2 und RE 7 wurden schon nach 17.30 Uhr über Lichtenberg umgeleitet oder fuhren nur bis Ostbahnhof oder Erkner. Eine Schulklasse aus Dinslaken trottete vom Bahnhof Ostkreuz enttäuscht zurück ins nahe Hostel, eigentlich wollten sie in andere Bezirken ausgehen.

Bevor mit der Entschärfung begonnen werden konnte, mussten alle Anwohner im Sperrkreis mit einem Radius von 500 Metern rund um den Fundort in Sicherheit gebracht werden. Lautsprecherwagen forderten sie zum Verlassen der Häuser auf, Beamte klingelten die Leute heraus. Laura Gross schnappte sich ihre zweieinhalbjährige Tochter Lillian und fuhr ins Hotel - „ich habe keine Lust auf eine Nacht in der Turnhalle.“ Andere Familien mit kleinen Kindern packten genervt ihre Sachen und verbrachten die Nacht auf Freitag bei Freunden. Andere gingen zu Sammelstellen, die in Schulen in der Umgebung eingerichtet wurden.

Restaurants und Ladeninhaber am Ostkreuz waren genervt ob des erneuten Bombenfunds – erst im April war fast an der gleichen Stelle eine Bombe entdeckt und das Gelände geräumt worden. „Damals mussten wir für sechs Stunden schließen“, sagte Ismail Inci vom Restaurant Lykia, der wie seine Nachbarn Verluste beklagt. Aber die Sicherheit müsse vorgehen, waren er und die meisten anderen Ladenbesitzer und Anwohner einsichtig.

Bei dem Sprengkörper handelte es sich um eine amerikanische Sprengbombe mit mechanischem Zündkopf. Drei Feuerwerker der Polizei benötigten etwa 25 Minuten, um die Bombe zu entschärfen. Danach wurde sie mit einem Kran auf einen Laster gehievt und weggefahren. Unterdessen konnten die Anwohner wieder in ihre Wohnungen zurückkehren, die Polizei gab alle Straßen frei, die S-Bahnen rollten wieder an. Ha/spa

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