Berlin : Bombe im Plänterwald: Blindgänger lag am Eingang zum Spreepark

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Dieses Mal war es "nur" eine kleine Bombe, die im Plänterwald entschärft wurde: Der amerikanische Blindgänger wog gerade mal einen Zentner. Aber die Munitionsbergungsfirma Teichert hatte ihn keine 50 Meter vom Haupteingang des Spreeparks geortet. Rund 70 Zentimeter tief im Waldboden war er verborgen. Das Metall der Splitterbombe war den hochempfindlichen Metalldetektoren nicht verborgen geblieben.

Zuletzt war am 9. August in dem Treptower Waldgebiet eine Luftmine mit einem Gewicht von 1,8 Tonnen entdeckt und erfolgreich entschärft worden. Rund 2000 Anwohner an der Neuen Krugallee hatten seinerzeit am Tag der Entschärfung vorsichtshalber ihre Wohnungen verlassen müssen. Gestern Mittag hatte es an der Straße Alt-Friedrichsfelde in Lichtenberg noch einen weiteren Bombenalarm gegeben. Das Fundstück hatte sich aber als eine alte Gasflasche herausgestellt.

Die rund 3000 Besucher im Spreepark merkten nichts von der Polizeiaktion um sie herum. Lediglich Neuankömmlinge und diejenigen, die den Vergnügungspark verlassen wollten, konnten dies nicht durch den während des Zeitraums der Entschärfung gesperrten Haupteingang, sondern mussten einen Nebeneingang am Wasserweg benutzen. Wohnhäuser wurden nicht geräumt. Für die Feuerwerker Detlef Jaab und Peter Sawistosky war es eine Routineaufgabe, den vorhandenen Kopfzünder zu entfernen . Zwar war der durch den Aufprall verbogen und es bedurfte eines großen Kraftaufwandes, aber nach gut 15 Minuten hatten die Fachleute es geschafft. Die Reste des Blindgängers wurden dann zum Sprengplatz im Grunewald transportiert.

Der Plänterwald wird derzeit von insgesamt vier Firmen im Auftrag des Senats systematisch nach Blindgängern und Munition abgesucht. Rund fünf Hektar im nördlichen Bereich des Plänterwalds untersucht die Firma Teichert. Etwa 3,5 Tonnen an Bomben- und Granatenblindgängern sowie Handgranaten und Munition verschiedenster Art haben deren Mitarbeiter bereits ausgegraben. Den Löwenanteil der Funde macht aber Schrott aus. 20 bis 30 Tonnen Altmetall - Besteck, Kochtopf und Bettgestell - wurden bereits gefunden.

Immer wieder stoßen die Munitionssucher aber auch auf Handgranaten, die gerade einmal vom Unterholz verdeckt werden. Auch die kleinste im Zweiten Weltkrieg aus Flugzeugen abgeworfene Bombe mit der Bezeichnung SD-1 liegt vermutlich im Plänterwald. Diese Bombe wiegt 760 Gramm, birgt gut 100 Gramm Sprengstoff in ihrer Splitterhülle und entstammt deutscher Produktion. Fachleute vermuten, dass diese Bombe mit einem einfachen, aber empfindlichen Zünder in den letzten Kriegstagen beim Kampf um Berlin von den deutschen Soldaten anstelle von Minen in der Erde vergraben worden sein könnten. Ein darüber fahrender Panzer hätte sie ebensogut auslösen können wie ein Tritt darauf. Polizeifeuerwerker Dirk Wegener schätzt, dass noch immer 1000 bis 2000 Bombenblindgänger unterschiedlichster Größe und Sprengkraft den Berliner Boden verseuchen. Jahr für Jahr wird es für die Entschärfer gefährlicher, diese Weltkriegsrelikte unschädlich zu machen, denn die chemischen Veränderungen an den Zündern bergen ein unwägbares Risiko.

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