Berlin : Bombenentschärfung: Die Luftmine wurde erfolgreich geknackt

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Zum Schluss gab es Sekt. Nicht die Korken knallten, nein. Fast verschämt ließ Direktionsleiter Michael Kreckel mehrere Flaschen in einer blauen Plastiktüte an die vier erfolgreichen Bombenentschärfer reichen. Die Polizeifeuerwerker Peter Jung, Dirk Wegener, Bernd Niether und der 35-jährige Nachwuchsmann Engin Laumer strahlten wie zu Weihnachten. Vor ihnen lag die nun unschädliche Luftmine, die am Mittwoch im Plänterwald direkt neben der Neuen Krugallee gefunden worden war. 1,8 Tonnen wiegt die als "Wohnblockknacker" gefürchtete Bombe, die in ihrer 2 Meter langen und 76 Zentimeter starken Hülle 1,3 Tonnen reinen Sprengstoff birgt. Durch den bei einer Explosion entstehenden Luftdruck würde im Umkreis von 300 Metern nahezu alles zerstört.

Eine gute Stunde dauerte es, bis die Polizeifeuerwerker die Zünder entfernt hatten. Zuvor hatten sie noch Bedenken, denn durch den Aufprall der Bombe waren die Zünder doch "etwas unglücklich eingedrückt", sagte Feuerwerker Dirk Wegener. Sie schafften es dann aber doch in fast schulbuchmäßiger Art. Bevor die Entschärfer allerdings in die etwa drei Meter tiefe Waldgrube krochen, mussten im Umkreis von 500 Metern alle Wohnungen geräumt sein. Mit bis zu 6000 betroffenen Menschen hatte die Polizei gerechnet, dann waren es doch nur 188. Eine Frau weigerte sich zunächst mit den Worten: "Den Krieg habe ich auch überlebt." Auf das gute Zureden der Polizisten zeigte sie dann aber Einsicht. Ein Altenheim mit Pflegebedürftigen war bereits am Donnerstagabend geräumt worden. Gestern Mittag wurden der Flugverkehr nach Tempelhof sowie der S-Bahnverkehr für die Dauer der Entschärfung eingestellt.

Der Spreepark Plänterwald lag genau an der Grenze des äußeren Sperrrings von einem Kilometer. Besucher durften in den Freizeitpark, mussten ihre Autos aber außerhalb des Sperrgebiets stehen lassen. Norbert Witte, der Leiter des Parks, rechnete gestern mit 8000 bis 10 000 weniger Besuchern.

Die Feuerwehr hatte zehn Fahrzeuge abgestellt - für Notfälle, sagte Feuerwehrchef Albrecht Broemme, der sich erinnerte, dass er als 5 bis 7 Jahre altes Kind immer dann im Plänterwald gespielt hatte, wenn er dort seine Großmutter besuchte - möglicherweise sogar auch über dieser gestern unschädlich gemachten Bombe, sagte er.

Selten zuvor haben die Entschärfer ein ähnliches Echo erlebt: Vor Beginn der Aktion wünschte ihnen Polizeipräsident Hagen Saberschinsky persönlich "viel Glück", anschließend ließ sich Innenstaatssekretärin Mathilde Koller von den Feuerwerkern ihr Vorgehen erläutern.

Das Schwierigste an der Entschärfung war die fehlende Erfahrung. Keiner der vier Entschärfer hatte jemals zuvor an einem "Wohnblockknacker" gearbeitet. Seit 1945 wurden erst fünf in Berlin gefunden, die letzte 1967. Für den 35-jährigen Engin Laumer, den "Benjamin" unter den vier Beamten, jedenfalls war es eine aufregende und lehrreiche Aktion. Er wird am Montag wieder dabei sein, wenn drei 250-Kilo-Bomben unschädlich gemacht werden, die gestern in der Rummelsburger Bucht gefunden wurden.

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