Berlin : Bombenexplosion bei Demo der Kriegsgegner geplant?

Prozessbeginn gegen Tunesier, der in Berlin angeblich im Auftrag von Al Qaida mehrere Attentate geplant haben soll

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Die Bundesanwaltschaft hält den Tunesier für einen Gotteskrieger par excellance: Heute beginnt am Kammergericht die Hauptverhandlung im Verfahren gegen Ihsan G., der in Deutschland Anschläge geplant haben soll. Generalbundesanwalt Kay Nehm wirft dem 34Jährigen vor, er habe im Auftrag von Al Qaida in Berlin und Gelsenkirchen versucht, eine Terrorgruppe aufzubauen. Nach Erkenntnissen der Ermittler wollten Ihsan G. und weitere Islamisten aus dem Umfeld der Neuköllner Al-Nur-Moschee zu Beginn des Irak-Krieges im März 2003 mehrere Sprengsätze zünden – offenbar in Berlin, bei einer Demonstration von Kriegsgegnern.

Möglicherweise war sogar ein Selbstmordanschlag vorgesehen. „Während der Demo zum Tag X, die ja um 18 Uhr stattfindet, wird jemand etwas im Namen Gottes tun, weil dieser sein Leben für Gott geben will“, zitierte ein V-Mann der Sicherheitsbehörden ein mutmaßliches Mitglied der Gruppe von Ihsan G. Die dunkle Andeutung soll am 15. März 2003 in der Al-Nur-Moschee geäußert worden sein – am 20. März, dem Beginn des amerikanischen Angriffs auf den Irak, nahm die Polizei Ihsan G. in Charlottenburg fest. Die Beamten holten den Tunesier am Nachmittag aus einer Wohnung in der Neuen Kantstraße. Am Abend protestierten auf dem Alexanderplatz 70000 Menschen gegen den Krieg. Im Prozess wird zu klären sein, ob die Demonstranten tatsächlich nur um Stunden einem Blutbad entgangen sind.

Welcher Al-Qaida-Anführer dem Tunesier den Auftrag zu Anschlägen erteilt haben soll, wissen die Ermittler nicht. Sie gehen allerdings davon aus, dass Ihsan G. im Jahr 2001 in einem Al-Qaida-Camp in Afghanistan im Umgang mit Sprengstoff und Waffen trainiert wurde, dann selbst zum Ausbilder aufstieg und Osama bin Laden kennen lernte.

Vor seiner Reise nach Afghanistan hatte Ihsan G. in Charlottenburg einen Handel mit Gold und Silberwaren betrieben. Auch dabei habe sich der Tunesier strafbar gemacht, sagt die Bundesanwaltschaft. Sie hält Ihsan G. für schuldig, Umsatzsteuer in Höhe von mehr als 400000 Mark hinterzogen zu haben. Ihsan G. bestreitet sämtliche Vorwürfe.

Der 1. Strafsenat des Kammergerichts hat den Prozess, der aufwändig bewacht wird, zunächst bis Ende Juli terminiert und 18 Verhandlungstage angesetzt. fan

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