Berlin : Bombenfund: 7000 mussten Wohnungen verlassen

Feuerwehr und Polizei evakuierten gestern Abend die Häuser. Menschen campierten in Notunterkünften

Sandra Dassler/ Alexander Fröhlich
Evakuierung. Helfer vom DRK kümmerten sich um die Menschen in Spandau. Foto: axf
Evakuierung. Helfer vom DRK kümmerten sich um die Menschen in Spandau. Foto: axf

Etwa 7000 Spandauer mussten am Dienstagabend ihre Wohnungen verlassen, weil an der Falkenseer Chaussee, Ecke Wasserwerkstraße, eine 100-Kilo- Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden wurde. Laut Polizeiangaben war sie gegen 16 Uhr 15 bei Bauarbeiten in einem Waldstück auf dem Gelände der Berliner Wasserbetriebe am Falkenhagener Feld entdeckt worden.

Nachdem Experten feststellten, dass die Bombe scharf war, beschlossen sie die Evakuierung von Wohnungen im Umkreis von 250 Meter. Nach Tagesspiegel-Informationen wurde dies später auf 300 Meter ausgedehnt.

Betroffen waren auch zehngeschossige Hochhäuser. Bei Redaktionsschluss war die Evakuierung noch nicht abgeschlossen. „Wir gehen davon aus, dass jetzt alle ihre Wohnungen verlassen haben, die gesund sind und unsere Lautsprecherdurchsagen gehört haben“, sagte ein Feuerwehrsprecher gegen 22 Uhr: „Jetzt kontrollieren unsere Leute jede einzelne Wohnung nach – ob sich dort eventuell alte oder kranke Menschen befinden.“

Um bettlägerige Menschen in Sicherheit zu bringen, wurde auch die Hilfe von privaten Krankentransporten angefordert. Die Menschen, die nicht bei Freunden oder Verwandten unterkamen, wurden in Schulen und Kirchgemeinden gebracht. In der Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde hatte beispielsweise Sandra Petrov mit ihren beiden zehn und vier Jahre alten Kindern Unterschlupf gefunden. Die junge Frau bekam einen Schreck, als sie von der Arbeit kam und zuerst nicht zu ihren Kindern durchgelassen wurde. In der Kirchengemeinde teilte sie sich später den Raum mit etwa 200 Menschen. Betten gab es dort nicht, nur Stühle. Bezirksbürgermeister Konrad Birkholz (CDU) sagte dem Tagesspiegel: „Wir haben zwar Katastrophenschutzpläne, aber in solchen Situationen merken wir, dass Material fehlt. Für so viele Menschen reichen Betten und Decken nicht.“

In der Martin-Buber-Oberschule gab es hingegen einige Liegen und Decken für Ältere und Kinder. Auch hier richteten sich die Spandauer auf eine lange Nacht ein. Sandra Dassler/ Alexander Fröhlich

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