Bombensprengung : Totalschaden an Wohnlaube

"Keine größeren Schäden" hieß es nach der Sprengung der Bombe in Oranienburg. Dabei wurde eine Wohnlaube komplett zerstört. Der Besitzer muss nun auf Spenden hoffen.

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Sprengung erfolgreich. Etwas zu erfolgreich vielleicht - es ging auch eine bewohnte Gartenlaube dabei drauf. Dem Bewohner passierte nichts, er hatte mit seinen wichtigsten Dokumenten das Häuschen verlassen.
Sprengung erfolgreich. Etwas zu erfolgreich vielleicht - es ging auch eine bewohnte Gartenlaube dabei drauf. Dem Bewohner...Foto: dpa

Oranienburg - Die Schäden sind wohl doch größer als zunächst vorgegeben: Nach der Sprengung eines Blindgängers in Oranienburg am Donnerstag gibt es an einigen Gebäuden erheblichen Reparaturbedarf – und ein bewohntes Häuschen wurde sogar komplett zerstört. „Die Großbombe sollte eigentlich entschärft werden“, sagte Björn Lüttmann, Sprecher der Stadt Oranienburg, dem Tagesspiegel. Dann aber habe der Kampfmittelräumdienst festgestellt, dass eine Entschärfung nicht möglich sei. „Daraufhin musste der Hausbewohner kurzfristig mit seinen wichtigsten Dokumenten das Haus verlassen und es wurde gesprengt.“

Jetzt stehe keine Wand mehr, auch das Dach sei weg – Totalschaden. Auf Fotos ist ein Riesenkrater zu sehen, außerdem hat es offenbar Stroh geregnet. Der Fundort der Bombe war mit vielen Strohballen gesichert gewesen, um die Druckwelle abzufedern. Das Stroh regnete dann auf die Nachbarschaft herab.

Immerhin: Der bisherige Bewohner des zerstörten Häuschens müsse natürlich vorerst keine Pacht mehr an das Land zahlen, sagt Lüttmann. Ansprüche auf Schadensersatz habe der Mann offiziell jedoch nicht. In der Praxis bezahle die Landesregierung aber meist den Schaden.

Die Stadt Oranienburg bemüht sich nun zumindest um Hilfe für den Bewohner. Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke ruft auf der Internetseite der Stadt alle Bürger zu „gelebter Solidarität auf“: „Wenn wir Oranienburger füreinander einstehen, kann den von der Sprengung der Bombe geschädigten Menschen schnell und unbürokratisch geholfen werden“, wird Laesicke dort zitiert. „Ob in Form einer Geldspende oder mit sachlicher Unterstützung, jede Hilfe ist willkommen! Ich bitte Sie herzlich darum, nicht Ihre Augen vor dieser Tragödie in unserer Stadt zu verschließen und unmittelbar Hilfe zu leisten.“ Ein Spendenkonto wurde eingerichtet.

Es war bereits Bombe Nummer 175 – und der Bürgermeister bereitete seine Bürger darauf vor, dass noch viele weitere folgen werden: „Die Suche nach Bombenblindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg wird uns leider noch viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, in Atem halten“, schreibt Laesicke. „Und je mehr Zeit ins Land geht, desto häufiger werden Sprengungen zur Beseitigung notwendig sein. Es ist also nur eine Frage der Zeit, wann die nächsten Schäden zu beklagen sind.“ Laesicke ruft auf der Internetseite auch die Landesregierung dazu auf, die bisherige Praxis der Kostenübernahme für Schäden nach Bombensprengungen aufrechtzuerhalten.

Wegen des 175. Bombenfundes hatten am Morgen rund 3500 Personen ihre Häuser im Ortsteil Lehnitz verlassen müssen. 110 Einsatzkräfte von Stadt, Polizei und Feuerwehr sicherten den Sperrkreis. Auf die Bombe waren die Sicherheitskräfte bei der systematischen Suche nach möglichen Blindgängern gestoßen. Sie hatte allerdings so ungünstig gelegen, dass der chemische Langzeitzünder nicht entfernt werden konnte und die Bombe deswegen vor Ort gesprengt werden musste.

Nach einem vor einigen Jahren erstellten Gutachten werden noch etwa 300 Blindgänger in Oranienburg und seinen Vororten vermutet. Nur die Hauptstraßen und der Bahnhof gelten als geräumt.

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