Bonusshopping : Der Einkaufsstress geht im neuen Jahr weiter

Einkaufen kann süchtig machen und Gutscheine verstärken noch das Verlangen. Dennoch: Moralische Bedenken gegen übersteigertes Shoppen sind nicht systemrelevant. Eine Glosse zum verkaufsoffenen Sonntag.

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Shopping zur Weihnachtszeit - für viele Männer ein Alptraum. Doch Neujahr geht's schon weiter, auch am Sonntag.
Shopping zur Weihnachtszeit - für viele Männer ein Alptraum. Doch Neujahr geht's schon weiter, auch am Sonntag.Foto: dpa

Eine der perfidesten Erfindungen der Handelsriesen ist der Gutschein. Der ist nämlich nur scheinbar für was gut. Der Gutscheinkäufer verweigert sich dem Ritual des Geschenkesuchens und zwingt den Beschenkten, sich in drangvollen Läden selber auf die Suche zu machen. Das ist meine persönliche (männliche) Sicht. Eine Diskussion mit Redaktionskolleginnen machte mir klar: Ich liege komplett falsch.

Nach dem Shoppingmarathon der Vorweihnachtszeit, der vornehmlich dem Abarbeiten fremder Wunschzettel diente, ist jetzt endlich Zeit, an sich zu denken. Also Sachen zu kaufen, die man sich wirklich gewünscht hat. Oder eben Gutscheine einzulösen. Warum nicht gleich am heutigen verkaufsoffenen Sonntag?

Eine verschärfte Variante der Kaufsucht

Experten sprechen vom Bonusshoppingsyndrom, einer verschärften Variante der Kaufsucht. Das Syndrom in Kurzfassung: Belohnung der weihnachtlich erschöpften Shoppingseele durch weiteres unkontrolliertes Neujahrsshopping. Immerhin gilt jetzt das Haushaltsjahr 2016. Die Schulden vom alten Jahr zählen nicht mehr.

Wer jetzt auf die Ladenschlussliberalisierung schimpft, verfügt nicht über das psychologische Rüstwerk des mündigen Konsumenten. Einfach mal Marx lesen, Fetischcharakter der Ware, das hilft schon. Moralische Bedenken sind im Kapitalismus nicht systemrelevant.

Online shoppen im Kaufhaus - ist das okay?

Neulich waren wir bei Karstadt, Geschenke suchen. Es war nicht wirklich voll, ein mulmiges Gefühl beschlich uns. Man weiß ja, wie kritisch es steht um den Konzern. Wir haben uns ehrlich bemüht, haben Uhren betrachtet, die Spielwarenabteilung besucht, nach Sportbekleidung geschaut, aber nichts gefunden. Später ruhten wir uns im Café aus, schalteten das Smartphone ein, nur so zum Spaß, gingen über das kostenlose Karstadt-W-Lan ins Netz. Und bestellten online – bei der Konkurrenz. Es war bequem und völlig stressfrei. Aber wir haben uns richtig doll geschämt.

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