Berlin : Boote in Flammen und ein Zelt im Sumpf

Mutmaßlicher Brandstifter lebte wie ein Einsiedler auf einer kleinen Insel. Vor Gericht schweigt er

Kerstin Gehrke

Der Einzelgänger aus Marzahn zog sich vor einigen Jahren gänzlich zurück. Er lebte als Einsiedler auf einer morastigen Insel am Seddinsee. Als Mario K. nach einem Hinweis eines Jägers entdeckt wurde, trug er einen dunklen Taucheranzug. Das Gesicht hatte er sich schwarz gefärbt. Wie ein unheimlicher Froschmann sprang er den Ermittlern aus einem Gebüsch entgegen. Seit gestern sitzt der 37-Jährige auf der Anklagebank. Er soll in drei Yachten eingebrochen sein und sie anschließend in Brand gesteckt haben. Außerdem muss er sich für den Diebstahl eines Sportbootes verantworten.

Als Mario K. im Mai aufgespürt wurde, stellte er sich als harmloser Naturfreund vor. „Ich zelte hier“, soll der arbeitslose Dachdecker den Beamten erklärt haben. Sein gut getarntes Camp aber sprach eher dafür, dass er dauerhaft auf der rund 15 Hektar großen Insel im Naturschutzgebiet Gosener Wiesen am Rande Berlins lebte. Zwei Lager hatte er aufgebaut. Ein schallisolierter Generator lieferte Strom. In einem Gerätezelt befanden sich eine Taucherausrüstung, Kabel, Batterien. Alles war mit schwarzer Farbe besprüht.

Vielleicht wäre es für den Einsiedler bei etwas Ärger wegen Verstoßes gegen das Naturschutzgesetz geblieben. Doch die Ermittler fanden unter Tarnnetzen auch Gegenstände, die den ausgebrannten Yachten zugeordnet werden konnten. Ein Fernseher zum Beispiel, der einst auf der prächtigen „Ohnsorg“ des Berliner Schauspielers Heinz Behrens stand. Die über 120 000 Euro teure Yacht lag am 10. Februar dieses Jahres am Moßkopfring in Köpenick, als sie kurz nach Mitternacht in Flammen aufging und kenterte. Zwei Tage später brannte eine Motoryacht vom Typ „Nordsee 1060“ aus. Und schon im Dezember vergangenen Jahres soll Mario K. das Boot eines 60-jährigen Schlossers geplündert und abgebrannt haben.

Ein trauriges Wiedersehen mit seinem etwa 4000 Euro teuren Sportmotorboot „Ibis 350“ gab es für Puppenspieler Heinz Schröder. Es war im August vorigen Jahres gestohlen und schließlich auf der Insel gefunden worden. „Es war mit Tarnfarbe gestrichen und hatte einen ganz anderen Motor“, sagte der 76-jährige „Pittiplatsch“-Puppenspieler als Zeuge. Sein Blick ging kurz zum Angeklagten. Doch der dunkelhaarige Mario K., der mit seiner Brille und vielen Notizen vor sich wie ein Student wirkte, schwieg zunächst.

„Das ist ein reiner Indizienprozess“, sagte der Verteidiger. Sein Mandant werde sich im Laufe der Verhandlung noch äußern. Mario K. ist für die Justiz kein Unbekannter. 1998 wurde er wegen Körperverletzung und unerlaubten Waffenbesitzes zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

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