Bootshaus Stella : Alpinisten am See

Das modernisierte Café am Lietzensee war lange umstritten. Anwohner beschwerten sich, eine Konkurrentin klagte. Jetzt öffnet es – kritisch beäugt von Nachbarn.

Cay Dobberke
Bootshaus
Im Juni wollen Hans-Peter Hagn (l.) und Biagio Vinci ihr "Bootshaus Stella am Lietzensee" eröffnen. -Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Der Blick auf den Funkturm, der gepflegte Park und das Wasser, wo Schwäne schwimmen und Reiher am Ufer staken – das Café am Lietzensee gilt nicht nur bei den Charlottenburger Anwohnern als Idylle. Mit einiger Verspätung eröffnet nun der Neubau, um den es viel Aufregung im Kiez gegeben hatte. „Mitte übernächster Woche machen wir auf“, sagen die Wirte Biagio Vinci und Hans-Peter Hagn, der genaue Tag stehe noch nicht fest. Die beiden Endvierziger besitzen auch das italienische Restaurant „Stella Alpina“ in der Suarezstraße. Die Sorge mancher Anwohner vor einem Luxuscafé nennt Vinci völlig unbegründet: „Das wird hier kein sündhaft teurer Laden.“

Attraktiver als die Bude des alten Cafés, dem das Bezirksamt 2007 gekündigt hatte, wirkt der 600 000 Euro teure Nachfolger allemal. Jetzt gibt es einen 30 Meter langen und 2,50 Meter breiten Steg, auf dem einige der 130 Plätze im Freien entstehen. Innen gibt es 24 Plätze für den ganzjährigen Betrieb. Das Gebäude mit heller Lärchenholzfassade und rotem Ziegeldach beherbergt auch die offene Küche und sieben Toiletten; früher hatten Gäste sich mit einer wenig ansehnlichen Außentoilette begnügen müssen.

Das Ausflugslokal heißt nun „Bootshaus Stella am Lietzensee“, doch die Wirte ahnen, dass viele Gäste beim gewohnten Namen Café am Lietzensee bleiben werden. Ursprünglich war die Eröffnung Ende 2007 geplant. Doch dann kam ein Gerichtsprozess dazwischen: Die Inhaberin des nahen Café Manstein klagte gegen das angeblich nicht transparente Vergabeverfahren des Bezirks. Vor dem Kammer- und Landgericht unterlag die Mitbewerberin jedoch.

Auch Forderungen der Denkmalschutzämter erschwerten den Bau: Das Café sollte sich am einstigen Bootshaus orientieren, das 1924 nach Plänen des berühmten Gartenbaudirektors Erwin Barth entstanden war. Dieser Altbau wurde 1973 bei einem Brandanschlag zerstört, das spätere Café blieb ein Provisorium. Trotzdem forderten Anwohner und andere Stammgäste die Erhaltung, da sie Preiserhöhungen befürchteten. „Unsere Preise reichen von 50 Cent bis maximal zehn Euro“, beruhigt Biagio Vinci. Er plant einen „deutsch-italienischen Mix“ mit Eis, Kuchen, Leberkäse, Pizza und Kalbsbraten. Sechs bis acht feste Mitarbeiter und ein halbes Dutzend Minijobber sollen im Café arbeiten, wenn auch nicht servieren: „Wir setzen zunächst auf Selbstbedienung.“ Unter den Gästen dürften auch Bewohner der neuen Luxuswohnungen sein, die nebenan im einstigen Reichskriegs- und späteren Kammergericht entstanden sind. Der Lietzenseepark zieht derweil immer mehr Besucher an: Gerade wurde neben dem Kinderspielplatz auch ein Freilufttreffpunkt mit Sportgeräten für Senioren eröffnet. 

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