Berlin : Botschaft an Falschparker: Diplomatenauto manipuliert

Der Ärger über den Falschparker mit Diplomatenkennzeichen war am Ende so groß, dass der 72-jähriger Mann aus Charlottenburg selbst zur Tat schritt. Am Montagabend ließ er die Luft aus den Reifen des Volkswagens der mazedonischen Botschaft, der einen Behindertenparkplatz in der Krummen Straße blockierte. Ein Anwohner beobachtete den Rentner gegen 20 Uhr dabei, wie er an dem Wagen herumfummelte, hieß es bei der Polizei. Als ein Zischen zu hören gewesen sei, habe der Zeuge die Polizei geholt.

Der Rentner zeigte den Beamten daraufhin seinen Schwerbehindertenausweis und behauptete, dass der Diplomaten-VW auf seinem Parkplatz stehe. Da aber offenbar beim Luftablassen das Ventil des Reifens beschädigt worden war, ist der Rentner wegen Sachbeschädigung angezeigt worden.

Das Diplomatenfahrzeug wiederum konnte, obwohl es ganz offensichtlich widerrechtlich geparkt war – nicht abgeschleppt werden, wegen der diplomatischen Immunität. Dadurch sind Diplomaten vor strafrechtlicher, zivilrechtlicher oder administrativer Verfolgung in einem fremden Staat geschützt. Allerdings werde die Ordnungswidrigkeit schriftlich festgehalten und dem Auswärtigen Amt weitergeleitet, sagte ein Polizeisprecher. Bei größeren und häufigeren Auffälligkeiten spricht die Behörde die diplomatische Vertretung an. Dem Gastgeberland bleibt als letztes Mittel nur die Möglichkeit, den Diplomaten des Landes zu verweisen, indem es ihn zur Persona non grata erklärt – was bei Falschparkern wohl kaum vorkommen dürfte.

Wie berichtet, hat sich die Zahl der Verkehrsverstöße durch das Diplomatische Corps innerhalb von zwei Jahren mehr als verdoppelt. Zählte die Polizei im Jahr 2009 noch 8600 Ordnungswidrigkeiten, waren es 2011 bereits 18 886. Die Zahl der registrierten Diplomatenautos ist in diesem Zeitraum dagegen um sechs Prozent auf 2874 gesunken.

Auf der Liste der häufigsten Sünder stehen seit Jahren dieselben Länder: Saudi Arabien führt die Rangfolge an, danach kommt Russland auf dem zweiten Platz. Auf Platz 3 haben sich im vorigen Jahr die USA vorgeschoben und damit Ägypten verdrängt. Allerdings hat Ägypten in Berlin nur 38 Autos angemeldet; die Knöllchen der US-Amerikaner verteilen sich auf 225 Autos. Zur Top Ten gehören zudem China, Georgien, Ägypten, Italien, Aserbaidschan, Türkei und Iran. Unfälle mit Diplomaten am Steuer werden in der Regel nicht von den Behörden publik gemacht. Sie gelangen meist über zufällige Fotos an die Öffentlichkeit. tabu

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