Botschafter Ben-Zeev : Geboren am 20. Juli

Die Ernennung des Nachfolgers von Schimon Stein war lange offen, bis schließlich der passende Kandidat für den israelischen Botschafterposten gefunden war: Yoram Ben-Zeev. Zum Amtsantritt besuchte der Karrierediplomat die Gedenkstätte "Gleis 17" am S-Bahnhof Grunewald.

Daniel Karl Jahn
Ben-Zeev
Israels neuer Botschafter Yoram Ben-Zeev am "Gleis 17". -Foto: ddp

BerlinDie Besetzung des israelischen Botschafterpostens in Deutschland ist auch 42 Jahre nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen eine Angelegenheit, die israelische Regierungen mit besonderer Sorgfalt behandeln. Yoram Ben-Zeev, der Karrierediplomat und stellvertretende Direktor der Nordamerika-Abteilung im Außenamt in Jerusalem, hatte zwar bislang mehr mit der US-Politik als mit der deutschen Politik zu tun. Auch gelten seine Deutschkenntnisse als längst nicht so gut wie die seiner Vorgänger. Aber in jedem Fall ist sein Geburtsdatum 20. Juli 1944 von hoher Symbolik: Der Tag des gescheiterten Attentats auf Hitler.

Deutschland ist der wichtigste Partner Israels in Europa und die Berliner Botschaft zählt zu den wichtigsten israelischen Vertretungen. Das Prestige des Postens ist hoch, gleichwohl darf jeder israelische Diplomat die Berufung nach Deutschland laut den Bestimmungen des israelischen Außenministeriums verweigern - ein Verordnungs-Unikum im israelischen diplomatischen Dienst. Ben-Zeev, ein Sohn von Holocaust-Überlebenden, machte davon nicht Gebrauch. Medienberichten zufolge wurde er von seiner Chefin, der israelischen Außenministerin Zipi Livni, persönlich für den Posten vorgeschlagen.

Begegnung mit Köhler

Ben-Zeev wurde am Mittwoch offiziell in sein Amt eingeführt. Sein erster offizieller Termin führte ihn zur Kranzniederlegung an der Gedenkstätte "Gleis 17" am S-Bahnhof Grunewald, von dem aus zwischen 1941 und 1945 mehr als 50.000 Berliner Juden in Ghettos und Vernichtungslager abtransportiert worden waren. "Ich bin noch immer bewegt", sagte er eine gute Stunde später. Nur fünf Minuten wegs von der israelischen Botschaft entfernt lege dieser Gedenkort Zeugnis von der Grausamkeit der NS-Zeit ab. Ebenso bewegt sei er gewesen, als im Büro von Bundespräsident Horst Köhler bei der Übergabe seines Beglaubigungsschreibens die israelische Flagge gesehen habe. Die deutsch-israelischen Beziehungen seien "gut", er wolle dazu beitragen, dass sie ausgebaut würden, sagte Ben-Zeev.

Der 63-Jährige studierte politische Wissenschaften mit den Schwerpunkten Internationale Beziehungen und Nahost. Im israelischen diplomatischen Dienst arbeitet er seit rund drei Jahrzehnten. Als Soldat kämpfte er 1967 im Sechs-Tage-Krieg und 1973 im Jom-Kippur-Krieg. In seinem politischen Lebenslauf ist sein Engagement im Nahost-Friedensprozess besonders hervorzuheben. Ben-Zeev war Koordinator der Delegation für den Friedensprozess im Auftrag seines Außenministeriums. In dieser Position nahm er an den Verhandlungen teil, die 1993 zur Prinzipienerklärung führten, auch bekannt als Osloer Verträge.

Sondergesandter unter Ehud Barak

Weitere Stationen seiner langjährigen Karriere sind unter anderem der des Generalskonsuls in Los Angeles und der eines Sondergesandten des früheren Ministerpräsidenten Ehud Barak. Der verheiratete Vater von drei Kindern war an den Planungen des Camp-David-Gipfels (Camp David II) mit dem damaligen US-Präsidenten Bill Clinton und dem inzwischen verstorbenen Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat im Jahr 2000 beteiligt.

Lange Zeit war Ben-Zeev auch im israelischen Konsulat in Hongkong tätig. Aus dieser Zeit stammen auch seine hervorragenden chinesischen Sprachkenntnisse. Als Hausherr in der Berliner Auguste-Viktoria-Straße wird ihm die Sprache seines neuen Einsatzlandes nicht lange fremd bleiben. Am Mittwoch versprach er den zur Pressekonferenz versammelten Journalisten, bereits beim nächsten Treffen auf deutsch Rede und Antwort stehen zu wollen. "Kompliziert" war eines der wenigen deutschen Worte, die er in seine englischen Ausführungen einflocht - so wie die deutsch-israelischen Beziehungen zuweilen. Ben-Zeev nannte sie "vielschichtig und chancenreich" zugleich. (küs/AFP)

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