Berlin : Botschafter, Manager, Hochstapler

Wie Leonardo DiCaprio im Film: Ein 31-Jähriger prellte Hotels um 46 000 Euro. Jetzt sitzt er in Haft

Katja Füchsel

Nur: Michael – das wär’s. Doch schade, der Name ist als Kinofilm bekanntlich schon an einen Engel vergeben. Ausgerechnet. Doch der echte Michael A., 31, ist ein Schurke, ein Hochstapler. Der Film über sein Leben müsste von Fälschung, Lüge, Betrug erzählen, vom Gold, das nicht glänzt und der Frechheit, die siegt. Egal, ob das Four Seasons, Grand Hyatt oder Ritz Carlton: Michael A. hat immer nur das Beste gebucht, bezahlt hat der junge Amerikaner nie. Michael, der UNO-Botschafter. Michael, der Sony-Manager. Drei Jahre lang nassauerte sich der Mann durch die Welt, im Januar schnappte die Falle zu. Jetzt hat der Staatsanwalt ausgerechnet: Um rund 46 000 Euro soll er Nobel-Hotels allein in Deutschland betrogen haben. Michael, der Untersuchungshäftling.

Von den Geprellten mal abgesehen: Niemand kann einem Hochstapler so richtig böse sein. Weil er seine Opfer eher umgarnt als betrügt und die Mitmenschen ihm mit ihrer Leichtgläubigkeit immer wieder in die Hände spielen. „Die Welt, diese geile und dumme Metze will geblendet sein“, schrieb Thomas Mann in seinen Notizen zu „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“. Vor genau 50 Jahren ist Manns letzter Roman erschienen, sein Erfolg verblüffte selbst den Autor. Als einen Felix Krull des frühen Jetset-Zeitalters muss man sich Frank Abagnale vorstellen, einen Hochstapler, der mit Vorliebe als PanAm-Copilot auftrat. Gefälschte Schecks waren seine Spezialität, noch vor dem 20. Lebensjahr hatte er es damit zum zweieinhalbfachen Dollar-Millionär gebracht. Im vergangenen Jahr kam „Catch me if you can“, die Lebensgeschichte von Abagnale, in die deutschen Kinos.

Die Karrieren der berühmten Hochstapler beweisen es: Mit den Zeiten ändern sich die Methoden: Michael A. jedenfalls reservierte seine Suiten in der Regel per E-Mail, gab sich darin als Sony-Manager, American-Express- oder Ministeriums-Mitarbeiter aus und fügte stets eine passende Adresse hinzu: sonymusic.com beispielsweise. Erst einmal mit einer fremden Kreditkarte eingecheckt, begann der 31-Jährige sich um Bares zu kümmern: Theatralisch trat er an die Rezeption, täuschte vor, ihm seien sein Pass und sein Bargeld gestohlen worden – und das, wo er doch dringend einen passenden Anzug für den abendlichen Empfang brauche… Da sich kein Luxus-Hotel gerne nachsagen lässt, seinen Gästen in der Not nicht auszuhelfen, schoben die Hotel-Manager Michael A. mal diskret 350 Euro über den Tresen, mal 660. Auf Nimmerwiedersehen. „Der Versuch der Hotels, die Rechnung später über die angegebene Kreditkarte einzuziehen, scheiterte“, sagt Justizsprecher Michael Grunwald.Wie es gelang, dem Hochstapler auf die Spur zu kommen, blieb gestern offen. Fest steht hingegen: Für jede der insgesamt 32 Betrügereien droht Michael A. jetzt theoretisch eine Gefängnisstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren. In den geprellten Berliner Nobelhotels spricht man über diesen undankbaren Gast gar nicht gern, nur so viel: „Solche Fälle sind extrem selten“, heißt es im Four Seasons.

In anderen Kreisen bleibt Michael A. hoch begehrt: In den USA soll der Hochstapler ebenfalls zur Fahndung ausgeschrieben sein, die Franzosen haben Haftbefehl erlassen und auch in Belgien, Großbritannien, den Niederlanden und Singapur ermittelt die Polizei. Bitte hinten anstellen – wäre als Filmtitel ja vielleicht auch ganz passend.

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