Berlin : Botticelli und die Roboter - Ein Ticket für viel Kultur

Christian van Lessen

Mit einem Familienprogramm sowie speziellen Führungen und Veranstaltungen lockten Ausstellungshäuser am Sonntag auch den Nachwuchs anChristian van Lessen

Mehr Besucher als an den übrigen Sonntagen meldeten gestern die meisten Berliner Museen, die am Internationalen Museumstag zu einem "Familiensonntag" mit Sonderveranstaltungen auch für Kinder eingeladen hatten. Ein Ticket öffnete die Tore für viele Häuser. Im Museum für Kommunikation an der Leipziger Straße beispielsweise wurden schon kurz nach der Eröffnung 1200 Besucher gezählt, es hatte bereits vor Beginn um 11 Uhr eine Warteschlange gegeben.

Viele Besucher hielten sich dann aber nicht allzu lange im schönen Bauwerk auf. So interessierte sich die 12-jährige Lina aus Prenzlauer Berg nur für die mobilen Roboter, die im Foyer herumrutschten, während doch eine Etage tiefer die geheimnisvolle Schatzkammer lockte, in der unter anderem mit der Blauen und der Roten Mauritius die berühmtesten Briefmarken der Welt zu sehen sind. "Man merkt, die Besucher wollen noch in andere Häuser", stellte die stellvertretende Direktorin Sigrid Randa-Campani fest. Man sei aber sehr zufrieden. Es gab zahlreiche Sonderführungen. Zum Abschied verschenkte das Museum Luftballons.

"Ein Mal bezahlen, 53 mal ins Museum" lautete die Devise. Kinder und Jugendliche, die mit Erwachsenen kamen, hatten grundsätzlich freien Eintritt. Nur: Im Museum für Kommunikation beispielsweise ist ohnehin der Eintritt für alle unentgeltlich. In Museen in Dahlem kostete er vier Mark für Erwachsene, am Kulturforum gar acht Mark, so dass sich so manche Eltern ärgerten, gerade hier ihre Tour begonnen zu haben, auch wenn sie der Besuch der Sandro-Botticelli-Ausstellung entschädigt haben mag, oder auch die kostenlose Vergabe von Katalogen und Plakaten, die sonst recht teuer sind.

Die Kinder aber hatten - sofern sie die mitunter etwas verschlungenen Pfade zu ihren Veranstaltungen finden konnten - ihren Spaß, besuchten in der Gemäldegalerie eigene Führungen, durften ihre Köpfe in die ausgeschnittenen Häupter berühmter Porträts stecken - etwa des Alten Fritzen - und sich wie auf einem Rummel fotografieren lassen. "Das sind alles nur Farbkopien", beruhigte Museumspädagogin Ines Bellin einige Erwachsene, die schon an Kunstfrevel glaubten. Die Kinder konnten sich auch Musikinstrumente basteln und ihre Arbeit mit einem kleinen Konzert krönen. Der siebenjährige Tristan aus Zehlendorf und der zehnjährige Maxim aus Lichtenberg stellten beispielsweise japanische Schwirrbögen her, die beim Herumschwenken fast furchterregende Töne von sich geben.

Andere Kinder übten sich beim Bau von Trommeln oder geschwungenen Trompeten aus Plastik, Flöten oder Pfeifen. Die Werkstatt der "Wundersamen Klänge" richteten die Staatlichen Museen zu Berlin und der Verein Jugend im Museum ein.

Allein in der Gemäldegalerie wurden doppelt so viel Besucher wie sonst gezählt, ein größerer Ansturm setzte erst am späten Mittag ein. Zuvor zeigten sich Mitarbeiter etwas enttäuscht, zumal gleichzeitig am Potsdamer Platz fast gegenüber heftiger Trubel herrschte. "Wir haben ein bisschen das Problem, dass der Ort Kulturforum nicht so richtig angenommen wird und im Stadtbild nicht so gut ausgeschildert wird", vermutete Ines Bellin von der Gemäldegalerie.

Die Museumsinsel dürfte den auswärtigen Gästen wohl eher ein Begriff sein. Dort, im Pergamonmuseum, wurden ebenso wie auf dem Kulturforum wertvolle Kataloge früherer Ausstellungen der Staatlichen Museen verteilt und waren fast im Nu vergeben. Das Technikmuseum an der Trebbiner Straße in Kreuzberg konnte gestern zwar nicht mit speziellen Kinderveranstaltungen aufwarten, hatte aber dennoch mit mehr Besuchern gerechnet. "Ein ganz normaler Sonntag", hieß es, "es liegt wohl am Wetter". In Dahlem waren dagegen die Führungen für Kinder in der Ausstellung "Indianer Nordamerikas" die Attraktion, verbunden mit einer Malaktion. Der Nachwuchs konnte aber auch afrikanische Häuser aus Lehm selbst bauen. Und überall wurde darüber diskutiert, dass die Dahlemer Sammlungen vielleicht einmal am Schloßplatz ausgestellt sein könnten. Kultursenator Christoph Stölzl wies gestern darauf hin, dass mit jährlich 7,6 Millionen Besuchern Berlins Museen und Ausstellungshäuser mehr Gäste als alle übrigen Kulturveranstalter der Stadt anlocken.

Der Internationale Museumstag stand unter dem Motto "Museen als Orte der Verständigung in der modernen Gesellschaft". Bundesweit beteiligten sich rund 700 Museen. In den 6000 deutschen Museen werden jährlich 96 Millionen Gäste gezählt.

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