Berlin : Boulevard der Traumtänzer

Paraden, Modenschauen, Familienfeste – alle zieht es auf die Straße des 17. Juni Doch der Senat will keine Dauershow und lässt sich Zeit mit Genehmigungen

Nana Heymann

Im vergangenen Sommer verwandelte sich die Straße des 17. Juni wegen der Fußball-Weltmeisterschaft in eine Dauerflaniermeile. Berliner, die am Fanmeilen-Fußweg Gefallen fanden, dürfen in diesem Jahr aber nicht auf eine Neuauflage hoffen. „Die Straße ist ein wichtiges Ost-West-Nadelöhr. Es soll nicht die Regel werden, dass sie gesperrt wird“, sagt Petra Rohland, Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung. Derzeit gebe es viele Anträge auf Genehmigung einer Veranstaltung zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule. „Wenn man allen stattgibt, könnten wir die Straße des 17. Juni gleich dichtmachen.“

Besonders begehrt ist die Strecke im Monat Juli. So plant Unternehmer Rainer Schaller, am 7. Juli die von ihm reanimierte Loveparade durch den Tiergarten ziehen zu lassen. Wie berichtet, will nun am selben Tag auch Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei/PDS) das vom ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore initiierte Live-Earth-Konzert in den Tiergarten holen. Eine Woche später möchte Ralf Lipus seine Technoparty „B-Parade“ auf der Straße des 17. Juni steigen lassen. Zudem ist eine Modenschau am Brandenburger Tor geplant, und ein Antrag auf das Technofamilienfest Planet Pro Berlin für den 11. August liegt auch noch vor.

Bislang werden alle Vorhaben geprüft, genehmigt wurde noch keines. „Man muss sich für eine politische Linie entscheiden“, sagt Petra Rohland. Sie plädiert dafür, Zusagen besonnen zu erteilen. Zu berücksichtigen sind verschiedene Interessenlagen, etwa die der Anwohner, aber auch die der beteiligten Ämter. So bedürfe es nicht nur der Zustimmung der Verkehrslenkung, sondern auch des Grünflächenamtes. Nach Abwägung aller Seiten bleibe „die Frage, was zumutbar ist“.

Unzumutbar findet Veranstalter Ralf Lipus die Wartezeit. Im November 2005 beantragte er eine Veranstaltung auf der Straße des 17. Juni – als Ersatz für die ausgefallene Loveparade. Doch dann rettete Geschäftsmann Rainer Schaller die Loveparade GmbH und sicherte sich somit im vergangenen Jahr den Technoumzug. Lipus hatte damals das Nachsehen. Nun muss aber auch Schaller einen neuen Antrag stellen; der alte, von den früheren Organisatoren ausgehandelte Vertrag für das zweite Juliwochenende lief bis 2006.

Für die Senatskanzlei ist der Fall klar: Den Zuschlag wird nur einer der Technoumzüge erhalten. „Innerhalb einer Woche können nicht zwei gleichartige Veranstaltungen stattfinden“, sagte Sprecher Michael Donnermeyer schon im Januar. Deshalb habe man sich bemüht, zwischen den Konkurrenten zu vermitteln – erfolglos. Insider vermuten, dass die bekanntere Veranstaltung, also die Loveparade, das Okay bekommen wird. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wollte sich dazu nicht äußern.

Unterdessen lässt Ralf Lipus eine Klage vorbereiten. Wegen Untätigkeit will er gegen den Senat vorgehen. Er brauche für seine B-Parade Planungssicherheit, auch wegen der Finanzierung. 1,9 Millionen Euro soll der Umzug kosten. „Die Zusagen der Sponsoren haben wir – wenn die Parade durchgeführt wird.“ Es gehe ihm nicht um eine Positionierung gegenüber der Loveparade, „die ist nicht unser Gegner“.

Die Loveparade GmbH lädt zur Pressekonferenz am morgigen Mittwoch. Dass ihr Umzug bislang ebenfalls nicht genehmigt wurde, wollte ein Sprecher des Unternehmens nicht kommentieren. Die Stadtentwicklungsverwaltung sicherte jedoch zu, dass mit einer Antwort schon bald zu rechnen sei. Dann steht sowohl für flanierlaunige Berliner als auch für Technofans fest, welches Datum sie sich für einen Besuch des Tiergartens vormerken können.

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