BOWIE UND BERLIN : „Schräge Leute hier“

Die Zeile versteht wohl nicht mehr jeder: „Sitting in the Dschungel on Nurnberger Straße.“

Entnommen dem brandneuen Song „Where Are We Now?“ von David Bowie, in dem er wieder einmal nach Berlin zurückkehrt, in die Stadt, in der er ab 1976 für einige Jahre lebte und arbeitete.

Also, für alle Spätgeborenen: Der Dschungel war sozusagen das Berghain im West-Berlin der siebziger Jahre. Es gab ihn bis 1993, aber seine große Zeit war da lange vorbei. Der Dschungel war einer von Bowies Lieblingsorten in Berlin, wie auch die Schwulenkneipe „Anderes Ufer“ in der Schöneberger Hauptstraße. Auch sie ist längst Geschichte. Und dann dürfen natürlich auch die legendären Hansa-Studios in der Köthener Straße in Kreuzberg nicht vergessen werden, in denen Bowie seine Berliner Alben aufnahm.

Gewohnt hat er in der Schöneberger Hauptstraße 155. Die Hausnummer hatte er sofort präsent, als er vor einigen Jahren vom Tagesspiegel zu seiner Berliner Zeit befragt wurde. „Die vergesse ich niemals. Das waren sehr wichtige Jahre. Es war in vieler Hinsicht sehr befreiend für mich, in Berlin zu leben.“ Das galt ebenso für seinen Mitbewohner Iggy Pop, der wie Bowie damals in West-Berlin versuchte, von seiner Kokain-Sucht loszukommen.

An den Dschungel, der in dem Song noch einmal zu Ehren kommt, hat Bowie viele Erinnerungen: „Ich erinnere mich an ein Mädchen, das ich dort kennenlernte. Auf ihrer Schulter saß eine Ratte, die mit einer Kette festgebunden war und ihr überall auf dem Kleid herumkletterete. Das war ziemlich schräg. Da waren überhaupt sehr schräge Leute.“ ac

Das Bowie-Interview finden Sie unter www.tagesspiegel.de/stadtleben

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