Boxen in Berlin : Ein blaues Auge für den guten Zweck

Statt im Anzug große Reden zu schwingen, lassen Manager beim "White Collar Boxing" im Lion's Club Berlin die Fäuste sprechen. Für einen guten Zweck versteht sich.

von
Vorbereitung auf den Boxkampf gibt es in privaten Trainingsstunden.
Vorbereitung auf den Boxkampf gibt es in privaten Trainingsstunden.Foto: dpa

Der Trend kommt von weit draußen, und deshalb trägt er einen englischen Namen: White Collar Boxing. Das bedeutet, dass zwei Männer – Frauen sind bisher nicht bekannt –, die sonst im dunklen Anzug ihren Geschäften nachgehen, im Boxring aufeinandertreffen. Dort hauen sie sich solange kontrolliert aufs Maul, bis die Zeit um ist. Das Ganze aber ist nicht einfach nur Managementtraining, sondern dient einem guten Zweck. Und ist insofern auch als „Charity Boxing“ geläufig.

Am Sonnabend probierte der Berliner Lion’s Club Dorotheenstadt das Konzept aus, und zwar im Ballsaal des Hotels Palace, der der Herausforderung problemlos gewachsen war. Knapp 400 teuer zahlende Gäste hatten sich eingefunden, begrüßt vom Clubpräsidenten Martin Ruppmann, der die Fachleute begrüßte und sich dann rasch in Sicherheit begab: Der von Legenden umwobene Boxtrainer Ulli Wegner war als Kampfrichter eingeteilt, unten am Ring urteilten die Weltmeister Arthur Abraham und Ramona Kühne.

Zweimal sechs Kämpfer hatten sich gemeldet, wochenlang mit Profis trainiert, sportliche Typen. Auffällig viele verdienen, soweit das im Theaterdonner herauszuhören war, ihr Geld als „Keynote Speaker“, veredeln also Tagungen mit motivationsfördernden Reden, andere sind im PR-Bereich tätig oder als Verkaufstrainer, selbstständig und deshalb keinem Chef Rechenschaft schuldig, wenn das blaue Auge am Montag Kunden abschrecken sollte.

Hier ging es zur Sache wie im richtigen Geschäftsleben, die Kampfrichter mussten allerhand Vorfälle auf ihren Zetteln notieren. Nicht so wichtig. Entscheidend ist, wie vermutlich auch der Zaungast Graciano Rocchigiani bestätigen würde, auf dem Konto, und dort fanden sich am Ende zweimal 7000 Euro ein, zum einen für das Kinderhospiz „Berliner Herz“, zum anderen für die Kinderstation des Krankenhauses Friedrichshain, das auf die Behandlung schwerkranker Kinder spezialisiert ist. Palace-Chef Michael Frenzel zog eine positive Bilanz: „So locker ging es hier noch auf keiner Gala zu.“ Man darf also vermuten, dass es bis zur nächsten Boxveranstaltung maximal ein Jahr dauert. Falls die Schwellungen bis dahin abgeklungen sind.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben