Boys' Day, Girls' Day : Ein Tag zum Vorbilder wechseln

Den Girls' Day gibt es schon lange, heute findet parallel auch der Boys' Day statt: Dabei sollen Jungen für typische Frauenberufe begeistert werden.

Sigrid Kneist
Die Unterschiede glätten. Nicht nur im Haushalt sind Männer gefragt. Der Boys’ Day soll Jungen an Berufe heranführen, die auf ihrer Wunschliste sonst selten zu finden sind: Als Erzieher oder in Pflegeberufen zum Beispiel sind Männer die Ausnahme.
Die Unterschiede glätten. Nicht nur im Haushalt sind Männer gefragt. Der Boys’ Day soll Jungen an Berufe heranführen, die auf...Foto: dpa

An diese Bilder soll man sich nach der Vorstellung von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) gewöhnen: Jungen, die kleine Kinder wickeln oder alte Menschen im Rollstuhl schieben. Erstmals hat sie in diesem Jahr für den heutigen Donnerstag bundesweit zum Boys’ Day aufgerufen: Bei diesem sollen sich Jungen eine Orientierung vor allem in sozialen Berufen verschaffen. Berufe, in denen sonst traditionell Frauen arbeiten. Der parallele Girls’ Day, bei dem sich Mädchen in Männerberufen umtun, hat Tradition und findet zum elften Mal statt.

202 Einrichtungen bieten den Jungen die Gelegenheit, einmal bei ihnen reinzuschnuppern. Insgesamt wurden 1505 Plätze bereitgestellt, knapp die Hälfte davon in Kitas, weiter sind Senioren- und Jugendzentren sowie Verwaltungen mit dabei. Es gibt aber auch die Möglichkeit, sich bei einem Friseur, einer Hauswirtschaftseinrichtung und sogar bei einer Parfümerie zu orientieren. Das Interesse der Fünft- bis Zehntklässler am Boys’ Day ist groß. „Die online angebotenen Plätze waren ganz schnell weg“, sagt Kornelia Ruppmann, die die Aktion in Berlin koordiniert. Für Mädchen gibt es am bekannteren Girls’ Day rund 8830 Angebote – viele in den sogenannten Mint-Berufen (mathematisch, naturwissenschaftlich, ingenieurwissenschaftlich, technisch).

Familienministerin Schröder hat im vergangenen Monat das Modellprojekt „Mehr Männer in Kitas“ gestartet, da in diesem Bereich „moderne männliche Rollenvorbilder und Bezugspersonen“ fehlen. An diesem Programm nimmt der Evangelische Kirchenkreis Stadtmitte teil, der für den Boys’ Day 16 Jungen eingeladen hat, einmal in einer Kita zu hospitieren – an der Seite eines männlichen Erziehers. „Darauf haben wir Wert gelegt“, sagt Geschäftsführerin Kathrin Janert. Neun Prozent der Erzieher in den Kitas des Kirchenkreises sind männlich. Im bundesweiten Durchschnitt sind es nur fünf Prozent. Auch die Pädagogen an Grundschulen sind zu einem ganz überwiegenden Teil Frauen, lediglich 20 Prozent sind Männer. Ähnlich sieht es im Pflegebereich aus, dort macht der Männeranteil ebenfalls 20 Prozent aus. Und der Fachkräftemangel dort ist absehbar. Auch das Johannesstift will 21 Jungen einen Einblick in den Alltag eines Erziehers, eines Altenpflegers oder eines Heilerziehungspflegers bieten. „Das ist eine gute Möglichkeit, einen Beruf kennenzulernen, der sonst nicht so im Blickfeld von Jungen ist“, sagt Jens Schmitz vom Johannesstift.

Vorreiter beim Boys’ Day war der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, wo er jetzt bereits zum viertel Mal stattfindet. Allerdings ist noch nicht überall unumstritten, diesen Tag für Jungen und Mädchen parallel zu veranstalten. Der DGB Berlin-Brandenburg jedenfalls hat sich entschieden: „Wir bleiben dabei. Der „Zukunftstag“ ist für die Mädchen da.“ Sigrid Kneist

Die Bundesagentur für Arbeit hat eine Broschüre veröffentlicht, die sich unter dem Titel „MINT for you“ an Mädchen und „Sozial for your“ an Jungen wendet. Herunterzuladen ist sie unter www.planet-beruf.de

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