• Brand im Moskauer Fernsehturm: Eine Feuerkatastrophe auf dem Berliner Fernsehturm ist unwahrscheinlich

Berlin : Brand im Moskauer Fernsehturm: Eine Feuerkatastrophe auf dem Berliner Fernsehturm ist unwahrscheinlich

Klaus Kurpjuweit

"Feuer im Fernsehturm. Mehrere Menschen eingeschlossen!" Auf einen solchen Fall ist man in Berlin nach Ansicht der Feuerwehr und der Telekom, deren Tochterunternehmen DT Immobilien für den Turm am Alexanderplatz zuständig ist, vorbereitet. Mit 368 Metern Höhe bis zur Antennenspitze ist der Fernsehturm nach dem Moskauer der zweithöchste in Europa. Dass ein Feuer wie in Moskau 24 Stunden wütet und große Teile des Turmes erfasst, hält man für nahezu ausgeschlossen. Die automatische Feuerlöschanlage im Technikbereich des Turmkopfes ist erst vor kurzem erneuert worden. Dabei wurden auch eine Feuerwehrkamera-Anlage vom Turmfuß bis zum Turmkopf und eine Gefahrenmeldeanlage installiert

Die sieben Etagen der Kugel befinden sich im Bereich von 200 Meter bis 232 Meter; der Betonschaft ist insgesamt 250 Meter hoch. Die Anlage ist nach Angaben von DT-Immobilien-Sprecherin Kerstin Schröder in zehn Löschbereiche eingeteilt, die ein besonderes Gas ausströmen lassen können, das ein Feuer ersticken soll. Zudem gebe es überall Feuerlöscher. Außerdem werden die Räume videoüberwacht, so dass ein Feuer schnell erkannt werden könne. Rauchmelder sind ohnehin obligatorisch. Außerdem seien schwer entflammbare Kabel eingebaut.

Sollte es zu einem Feuer im Cafébereich kommen, würden die Gäste zu der unterhalb der Kugel angebrachten Evakuierungsplattform geführt. Die drei Aufzüge dürfen bei einem Brand aus Sicherheitsgründen nicht benutzt werden. Auf dem Betonring unter der Kugel könnten die Menschen dann ausharren, bis die Feuerwehr sie nach unten bringt oder bis das Feuer gelöscht ist. Für den Zwangsaufenthalt im Freien sind dort nach Angaben von Feuerwehrchef Albrecht Broemme "Nässeschutzjacken und wärmende Kleidung" gelagert.

Müssten Menschen nach unten gebracht werden, führt der Weg über die 986 Stufen der so genannten Evakuierungstreppe zum Erdboden. Dieser Treppenschacht ist so abgedichtet, dass bei einem Feuer kein Rauch eindringen sollte. Im Schacht selbst gibt es so gut wie kein brennbares Material.

Sollte auch dieser Weg versperrt sein, müsste die Höhenrettungstruppe der Feuerwehr eingreifen. Diese Spezialisten können unter anderem Menschen aus großer Höhe abseilen. Ein Hubschrauber ließe sich zur Rettung von Menschen von der Evakuierungsplattform nicht einsetzen, sagte Schröder, weil ein Hubschrauber wegen der Kugel über der Plattform nicht nahe genug an den Betonring heranfliegen könnte.

Von einem Feuer könnten aber viele Menschen weitab vom Turm betroffen sein. Würde dabei die Antennentechnik beschädigt, könnten fünf Fernsehprogramme sowie elf herkömmliche und zwei digitale Rundfunkkanäle, die über den Fernsehturm laufen, ausfallen. Hinzu kämen Beeinträchtigungen im Telefonnetz.

Anders als der Funkturm am Messegelände blieb der Fernsehturm bisher von einem Feuer verschont. Spektakulär war ein Brand am Funkturm vor 65 Jahren, der in einer Halle während der Funkausstellung ausgebrochen war. Die Flammen schlugen so hoch, dass sogar die Holzverkleidung des Restaurants Feuer fing. Der Turm selbst sei sicher, sagte Feuerwehrchef Broemme gestern.

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