Brand in Lichterfelde : Viele Flüchtlinge verloren ihren letzten Besitz

Nach dem Trauma folgt ein weiteres Drama: Die minderjährigen Flüchtlinge aus der Unterkunft in der Wupperstraße sind erneut heimatlos. Auf Brandstiftung gab es laut Polizei bisher keine Hinweise.

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Erneut heimatlos. Nach dem Feuer in einem Flüchtlingsheim in Berlin-Lichterfelde sitzen die Bewohner auf der Straße. Die Brandursache wird noch ermittelt.
Erneut heimatlos. Nach dem Feuer in einem Flüchtlingsheim in Berlin-Lichterfelde sitzen die Bewohner auf der Straße. Die...Foto: Gregor Fischer/dpa

Der Großbrand in der Erstaufnahmestelle für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in der Wupperstraße hat die Feuerwehr bis in den Mittwochnachmittag hinein beschäftigt. Die Brandbekämpfer mussten zweimal – einmal um sechs Uhr, einmal um zehn Uhr – eingreifen, um Glutnester im Dachstuhl des Gebäudes zu löschen. Bei einer Kontrolle um 13 Uhr sei kein Brandherd mehr entdeckt worden, teilte ein Feuerwehrsprecher mit. Am späteren Nachmittag sollte eine weitere Kontrolle erfolgen. Gibt es auch hier Entwarnung, können die letzten Feuerwehrleute nach Hause – fast einen Tag nach dem Ausbruch des Feuers.

Am Mittwochmittag nahmen die Experten eines Brandkommissariats der Polizei ihre Ermittlungen am Brandort auf. Die Beamten sollen herausfinden, wodurch das verheerende Feuer am Tag zuvor ausgelöst wurde. Die Ermittlungen können laut Polizei einige Zeit in Anspruch nehmen; bis Redaktionsschluss gab es weiter keine Hinweise auf Brandstiftung.

Das Feuer war, wie berichtet, am Dienstagnachmittag in einem Zimmer im ersten Stock des dreistöckigen Gebäudes ausgebrochen. Über die Fassade breitete sich das Feuer in den Dachstuhl aus; 700 Quadratmeter Dach standen in Flammen. Schließlich war das Dach auf einer Fläche von 200 Quadratmetern eingestürzt.

Zumindest den Jüngeren blieb es erspart, den Brand mitzuerleben

Die 60 minderjährigen Flüchtlinge, die in dem Haus untergebracht waren, wurden von der Jugendverwaltung in einem Hostel einquartiert. „Wir prüfen, ob sie auch mittelfristig dort bleiben können“, sagte ein Sprecher von Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD). Die Senatorin besuchte die Kinder und Jugendlichen am Mittwochmorgen. Sie kommen aus Syrien, Somalia, Westafrika und Russland. Zwanzig von ihnen seien zwischen sieben und zwölf Jahren alt, die übrigen seien Teenager, teilte die Senatorin mit.

Zumindest den Jüngeren blieb es nach Scheeres’ Auskunft erspart, den Brand direkt mitzuerleben. „Sie waren auf einem Ausflug und wurden direkt ins Hostel gebracht“, sagte Scheeres. Nun müsse eine „kontinuierliche Übergangslösung“ gefunden werden. „Wir stehen in der Verantwortung. Wir können den Kindern nicht zumuten, alle paar Tage die Einrichtung zu wechseln“, so die Senatorin.

Auch 38 Obdachlose mussten evakuiert werden

Das Gebäude in der Wupperstraße hat laut Scheeres einen „Totalschaden“ erlitten. „Wir müssen neue Räumlichkeiten finden“, so die Senatorin. Die Erstaufnahmestelle nimmt minderjährige Flüchtlinge für die ersten drei Monate nach ihrer Ankunft in Berlin auf, danach werden sie auf andere Einrichtungen verteilt.

Neben den Flüchtlingen mussten auch 38 Obdachlose aus dem Gebäude evakuiert werden. Sie verbrachten die Nacht auf Feldbetten in einer Notunterkunft des Deutschen Roten Kreuzes in der Berlepschstraße in Zehlendorf. „Momentan suchen wir für sie nach einer anderen Unterkunft“, sagte ein DRK-Sprecher.

Laut Senatsjugendverwaltung werden die Opfer des Brandes psychologisch und pädagogisch betreut. „Viele Kinder sind durch Krieg und Flucht traumatisiert und haben nun wieder einen sicheren Ort verloren", sagte der Sprecher. Da viele in den Flammen sämtliche Besitztümer verloren hätten, müsse nun für neue Kleidung und andere Dinge des täglichen Bedarfs gesorgt werden. Auch private Erinnerungsstücke, amtliche Dokumente und Telefone mussten in dem brennenden Haus zurückgelassen werden. Letztere waren für viele Flüchtlinge die einzige Möglichkeit, Kontakt zur Verwandtschaft in der Heimat zu halten.

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