Brand in Moabit : Feuerwehr wehrt sich gegen Kritik

Nach dem verheerenden Wohnhausbrand in Berlin-Moabit hat die Feuerwehr Kritik an ihrem Einsatz zurückgewiesen. Mehrere Anwohner hatten erklärt, die Hilfe sei zu spät gekommen und es habe zu wenige Anweisungen durch die Feuerwehr gegeben.

Berlin (16.08.2005, 18:07 Uhr) - Feuerwehrchef Albrecht Broemme sagte zu den Vorwürfen am Mittwoch: «Davon kann keine Rede sein. Nach sieben Minuten, um 23.14 Uhr, waren bereits die ersten beiden Staffeln vor Ort. Zwei weitere Staffeln waren aber zu der Zeit bereits auf dem Marsch.» Die Feuerwehr hatten zuletzt 8 Staffeln und 150 Einsatzkräfte vor Ort. Nach Broemmes Angaben waren die Flammen nach weniger als 20 Minuten gelöscht.

Broemme sagte: «Was zur Katastrophe geführt hat, war das Verhalten der Familien, die Opfer des Feuers geworden sind, nämlich entgegen der Warnung der Feuerwehr in das brennende Treppenhaus zu laufen.» Nach Bergung der Opfer war Streit darüber ausgebrochen, ob mangelnde deutsche Sprachkenntnisse der ausländischen Bewohner zu der hohen Zahl der Opfer beitrugen. Broemme sagte erneut, zumindest einige Bewohner hätten die Anweisungen der Feuerwehr nicht verstanden.

Beamte von Polizei und Feuerwehr hätten die Bewohner per Megaphon aufgefordert, in ihren Wohnungen zu bleiben und das Eintreffen der Feuerwehrleute an ihrer Wohnungstür abzuwarten. Es sei davor gewarnt worden, in das brennende Treppenhaus zu laufen. Dennoch versuchten zwei Familien, so ins Freie zu gelangen.

Dagegen hatten Bewohner und auch der Eigentümers des Brandhauses, Ernst Brenning, betont, die Tragödie sei nicht auf mangelnde Deutschkenntnisse der Hausbewohner zurückzuführen. «Alle beherrschten genügend Deutsch, um kurze, präzise Anweisungen der Feuerwehr zu verstehen», sagte Brenning. Broemme räumte ein, die Tragödie sei vermutlich nicht nur auf Sprachprobleme zurückzuführen. Womöglich hätten auch Deutsche in Panik die Anweisungen nicht gehört.

Broemme sagte, es sei auch richtig gewesen, keine Drehleiter einzusetzen. Wegen mehrerer Bäume wäre nur ein Teil der Fenster erreichbar gewesen. «Es war der schnellere Weg, erst das Feuer im Treppenhaus zu löschen und dann die Menschen herauszuholen.» Dass Bewohner auf Balkonen stundenlang ihrer Rettung geharrt hätten, könne schlicht nicht sein. (tso)

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