Brand in Moabit : Noch keine heiße Spur

Obwohl die Berliner Polizei intensiv ermittelt, gibt es noch keine heiße Spur zu möglichen Brandstiftern. Jetzt hat die Polizei eine Belohnung von 10.000 Euro ausgesetzt.

Berlin (11.08.2005, 17:15 Uhr) - Nach dem verheerenden Wohnhausbrand in Berlin-Moabit haben die Ermittler noch keine Spur von dem Brandstifter. Der Polizeipräsident lobte am Donnerstag eine Belohnung von 10.000 Euro für Hinweise aus, die zur Ergreifung des Täters führen. Durch die Feuerkatastrophe in der Nacht zum Dienstag waren neun Menschen aus Polen und dem Kosovo ums Leben gekommen. Brandherd waren zwei im Treppenaufgang des Unglückshauses angezündete Kinderwagen. Nach Kritik plant die Feuerwehr jetzt eine Informationskampagne zum richtigen Verhalten bei Bränden. Die Grünen wollen den Feuerwehreinsatz im Parlament zur Sprache bringen.

In Berliner Krankenhäusern wurden zuletzt noch 14 Schwerverletzte behandelt. Nach wie vor kritisch ist der Zustand zweier Kinder im Virchow-Krankenhaus. Sie würden weiterhin beatmet, sagte die Sprecherin der Berliner Charité, Kerstin Ullrich. Ein 15 Jahre altes Mädchen schwebte hingegen am Donnerstag nicht mehr in Lebensgefahr. Ihr stehen laut Ullrich jedoch weitere Operationen bevor. Das Mädchen war in der Brandnacht in Panik im vierten Stock aus dem Fenster gesprungen und hatte schwerste Becken- und Kopfverletzungen erlitten.

Der von Hausbewohnern kritisierte Feuerwehreinsatz in Moabit wird ein parlamentarisches Nachspiel haben. Die Grünen kündigten an, das Vorgehen der Feuerwehr an diesem Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses auf die Tagesordnung zu setzen. «Dann muss der Chef der Berliner Feuerwehr Rede und Antwort stehen, was alles während des Einsatzes schief gelaufen ist», erklärte der Grünen- Fraktionsvorsitzende Volker Ratzmann.

Mehrere Anwohner hatten den Helfern vorgehalten, sie seien zu spät gekommen und es habe zu wenige Anweisungen durch die Feuerwehr gegeben. Zudem habe die Einsatzleitung das Ausmaß des Feuers offenbar zunächst unterschätzt. Die Feuerwehr sieht sich zu Unrecht kritisiert. Ihr Chef Albrecht Broemme macht vor allem Fehlverhalten dreier Familien mitverantwortlich für die hohe Zahl der Opfer. Sie seien entgegen Warnungen der Feuerwehr in das brennende Treppenhaus und damit in den Tod gelaufen. Nach dem Brand war auch Streit darüber ausgebrochen, inwieweit mangelnde deutsche Sprachkenntnisse der ausländischen Hausbewohner die Katastrophe begünstigten.

«Unsere Einsatzkräfte haben sauber nach den Vorgaben gehandelt», bekräftigte der stellvertretende Feuerwehrchef Wilfried Gräfling am Donnerstag nach einer internen Auswertung. «Schwachpunkt war aber die Kommunikation». Menschen in Panik, egal ob Deutsche oder Ausländer, seien erfahrungsgemäß schwer anzusprechen. Die Feuerwehr werde nun mit Psychologen beraten, wie sie in Zukunft bei schwierigen Einsätzen mehr Aufmerksamkeit von den Betroffenen erhalten kann. Zunächst will die Feuerwehr laut Gräfling eine Informationskampagne über richtiges Verhalten im Brandfall starten.

Hinweise auf den Brandstifter nimmt das Brandkommissariat LKA 123 unter der Rufnummer (030) 4664 912302 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen. In Berlin wird durchschnittlich jede vierte Brandstiftung aufgeklärt. (tso)

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