Brand in Spandauer Tanzlokal : "Wenn es brennt, renne schnell raus"

1947 kamen 80 Berliner bei einem furchtbaren Feuer in einem Tanzlokal ums Leben. Ein Grund für die Katastrophe war auch die eisige Kälte im Winter vor 70 Jahren.

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Das Bild links soll die Ruine zeigen nach dem Feuer.
Das Bild links soll die Ruine zeigen nach dem Feuer.Fotos: Feuerwehrmuseum, dpa

Insgesamt 134 Kältetote, 500 Menschen, die mit Erfrierungen im Krankenhaus lagen, weitere 60.000 in ambulanter Behandlung – so die Winterbilanz, die am 13. Februar 1947, am Montag vor 70 Jahren, in der Berliner Stadtverordnetenversammlung durch deren Vorsteher Otto Suhr gezogen wurde. Bis zu minus 25 Grad hatte an den Tagen zuvor geherrscht, überall fehlte es an Brennmaterial. Zwischen Frieren und Erfrieren lag oft nur ein dicker Mantel.

Man muss sich diese Not vor Augen halten, wenn man die Brandkatastrophe, die sich fünf Tage zuvor in dem Ausflugslokal „Karlslust“ im Spandauer Ortsteil Hakenfelde ereignet hatte, in ihrem ganzen Schrecken begreifen will. 80 Menschen, nach manchen Berichten sogar einige mehr, kamen damals ums Leben, es war das schlimmste Brandunglück der Berliner Nachkriegsgeschichte. Und dass es diese Ausmaße annehmen konnte, lag nicht zuletzt auch an der Sorge der Lokalbesucher um ihre oft lebenswichtige Winterkleidung. Sie ließ viele erst zur Garderobe statt zum Ausgang laufen und trieb manche, die schon in Sicherheit waren, sogar zurück in das brennende Gebäude.

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1 von 95Foto: Tagesspiegel Archiv
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Manche Spandauer wissen noch durch Erzählungen ihrer Eltern von der Brandnacht. „Wenn es brennt, renne schnell raus, hole nicht deinen Mantel“, wurde ihnen immer wieder eingebläut. Doch kamen neben der Angst um die Garderobe noch weitere Faktoren dazu, durch die erst die Tanzveranstaltung am Abend des 8. Februar 1947 so furchtbar endete.

Die Feuerwehr kam wegen der Kälte nur langsam voran

Rund 800 Gäste, darunter auch britische Soldaten, waren zum Kostümfest der Sportgruppe Spandau-Neustadt gekommen und feierten ausgelassen in der zweistöckigen Gastwirtschaft mit angeschlossener Kegelbahn. Gegen 23 Uhr brach das Feuer aus. Wie sich später herausstellte, hatte sich im Dachbereich in der Nähe des Kamins ein Balken entzündet, woraus, auch wegen der dort verbauten, mit leicht brennbarem Lack angestrichenen Sperrholzplatten, rasend schnell ein Großbrand entstand. Panik brach aus, sodass nur einer der sechs Ausgänge benutzt wurde, an dem sich alles drängte. Die Fenster dagegen waren vergittert, im Krieg war das Haus ein Gefangenenlager gewesen.

Auch kam die Feuerwehr zu spät in die Hakenfelder Straße, behindert durch die Eiseskälte, eine fehlende einheitliche Notrufnummer und die Anordnung der Siegermächte, dass sie nur mit 40 km/h fahren dürfe und alliierte Fahrzeuge Vorrang hätten – eine Bestimmung, die nach der Katastrophe gestrichen wurde. Zudem gab es nur einen Hydranten, der erst freigelegt werden musste, und die Wasserschläuche zog man über Gartenstühle, damit sie nicht festfroren.

Das Unglück löste große Anteilnahme aus. Etwa 2000 Trauergäste kamen zur Beerdigung zum Spandauer Friedhof In den Kisseln, wo die meisten Opfer in einem gemeinsamen Grab bestattet wurden. Auf dem dortigen Loebelfeld (Abt. 31) erinnert eine Gedenkplatte an die Toten.

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