Berlin : Brand in U-Bahn: 26 Fahrgäste verletzt

Jörn Hasselmann,Werner Schmidt

Fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem Brand im Bahnhof Deutsche Oper ist gestern Nachmittag ein Waggon der U-Bahn-Linie 6 nach einem Kurzschluss in Brand geraten. 26 Fahrgäste und zwei BVG-Zugführer wurden verletzt. Der Zug war im Tunnel etwa 100 Meter vor der Station Afrikanische Straße stehen geblieben. Etwa 100 Fahrgäste wurden von den Fahrern zweier Züge aus dem Tunnel geleitet. Der Rauch zog bis zu den benachbarten Bahnhöfen. Die Feuerwehr rückte um 13.31 Uhr mit einem Großaufgebot aus.

So rasten 24 Rettungswagen und sechs Notarztwagen in die Müllerstraße in Wedding. Auch ein Rettungshubschrauber wurde angefordert. Auf der Müllerstraße wurde eine Verletztensammelstelle aufgebaut. Die meisten der 28 Opfer erlitten leichte Rauchvergiftungen, einige sollen bei der Rettung auch Prellungen oder Verstauchungen davongetragen haben. Feuerwehrchef Broemme sagte am Abend, dass vermutlich noch in der Nacht alle Verletzten die Krankenhäuser wieder verlassen könnten.

Nach Angaben der Leitstelle der BVG hatte es am frühen Nachmittag in einem von Tegel nach Mariendorf fahrenden Zug einen Kurzschluss sowie einen Knall unter dem letzten Wagen gegeben. Der Kurzschluss löste einen Schwelbrand aus, der eine starke Rauchentwicklung nach sich zog. 100 Meter vor der Station Afrikanische Straße kam die Bahn zum Stehen. Die rund 100 Fahrgäste wurden vom Fahrer des in Brand geratenen Zuges und des am Bahnsteig Afrikanische Straße stehenden Gegenzuges zum Bahnsteig oder zu einem nahe gelegenen Notausstieg gebracht. Zudem gelang es den beiden BVGern, mit einem Feuerlöscher den Brand einzudämmen. Auf dem Bahnsteig selbst war kein Personal. Broemme lobte später an der Einsatzstelle die BVG-Angestellten für die umsichtige Rettung der Fahrgäste.

Offensichtlich war der Kurzschluss am Stromabnehmer der U- Bahn entstanden, der sich dabei mit der Stromschiene verschweißte. Unklarheit herrscht noch über die Ursache des Knalls, den mehrere Fahrgäste vernommen hatten. Anders als im Bahnhof Deutsche Oper im letzten Jahr brach kein offenes Feuer aus; der etwa 30 Jahre alte Wagen der Bauart DL 70 wurde äußerlich kaum beschädigt. Der Verkehr auf der U 6 war zwischen Tegel und Wedding für zweieinhalb Stunden bis 16 Uhr unterbrochen.

Da sich der Zug durch den Kurzschluss festgebremst hatte, blieb der Zug im Tunnel stehen. Eigentlich gehört zum Sicherheitskonzept der BVG, dass die Züge immer - auch nach dem Ziehen der Notbremse - noch in die nächste Station einfahren. Feuerwehr und BVG nannten dies nach den Erfahrungen vor einem Jahr den "Idealfall". Denn auf den Bahnhöfen ist die Rettung der Fahrgäste und die Brandbekämpfung einfacher als im engen dunklen Tunnel, in dem zudem noch Gefahr durch die Stromschiene droht.

Diesen "Idealfall" erlebte im Februar 2000 auch die S-Bahn, als kurz nach dem Verlassen des Nord-Süd-Tunnels ein Waggon in Brand geriet und im Bahnhof Yorckstraße dann völlig ausbrannte. Die Fahrgäste hatten sich über den Bahnsteig retten können.

Erst vor einer Woche hatte die Feuerwehr mit der BVG den Ernstfall "Brand in U-Bahn" geübt. Bei der Simulation im Bahnhof Britz Süd gab es dieses Szenario: Zwei Züge mit 100 Fahrgästen stehen am Bahnsteig, als ein Feuer ausbricht. Die Menschen müssen durch den Tunnel zu einem Notausgang geführt werden, denn Britz hat wie Deutsche Oper nur einen Ausgang. Dagegen haben die Stationen im Norden der U 6 jeweils zwei Ausgänge. Die Strecke bis Kurt-Schumacher-Platz war 1956 eröffnet worden.

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