Berlin : Brandenburg brüskiert Berlin bei Filmförderung Platzeck kürzt, Wowereit stockt auf

Thorsten Metzner

Potsdam - Die Filmbranche der Region ist alarmiert, Berlin irritiert: Die von Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) geführte Landesregierung Brandenburgs will nach Tagesspiegel-Recherchen jetzt erstmals bei der gemeinsamen Filmförderung mit Berlin sparen. Das gefährdet indirekt ein Schlüsselprojekt des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD), der für die Jahre 2013/2014 eine drastische Aufstockung der Filmförderung angekündigt hat. Neben dem Flughafen BER belastet auch dieser Konflikt aktuell das Verhältnis beider Länder. „Kürzungen wären ein falsches Signal für die Medienwirtschaft, für den Standort“, warnte Senatskanzleichef Björn Böhning am Dienstag im Gespräch mit dem Tagesspiegel. „Wenn wir aufstocken, aber Brandenburg seine Zuschüsse gleichzeitig runterfährt, haben wir für den Medienstandort nichts gewonnen, immerhin der Filmstandort Nummer eins in Deutschland.“ Nachdem Berlin im Frühjahr von Potsdams Plänen „überrascht“ wurde, habe man interveniert, etwa auf der gemeinsamen Sitzung beider Kabinette im Mai. „Bisher gab es keine Reaktion.“

Böhning erinnerte daran, dass eine Fifty-Fifty-Finanzierung für das gemeinsame, länderübergreifende Medienboard Berlin-Brandenburg vereinbart war, wo die Filmförderung angesiedelt ist. „Wir hatten entschieden, es gemeinsam zu machen.“ Doch schon in den letzten Jahren hatte Berlin draufgelegt, ohne dass Brandenburg mitzog. 2012 steuert der Senat knapp 10 Millionen Euro bei, aus Brandenburg kommen 7,7 Millionen Euro. 400 000 Euro weniger sollen es ab 2013 nach den Plänen von Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) werden, der für Medienförderung zuständig ist. Die Entscheidung sei getroffen, die Kürzung „moderat“, erklärt Sprecher Steffen Streu, der als Begründung Konsolidierungszwänge nannte. Berlin dagegen wird 2013 rund 530 000 Euro dazu legen, 2014 noch einmal 780 000 Euro. Auch für  Berlins Haushalt sei dies „eine Kraftanstrengung“, von der man sich aber wichtige Effekte verspreche, sagte Böhning. „Es geht darum, dass die Studios besser frequentiert werden, noch mehr internationale Produktionen in die Region geholt werden, auch um Kinodigitalisierung und andere Zukunftsfelder.“ Das entspricht dem SPD/CDU-Koalitionsvertrag, in dem im Kapitel „Kreatives Berlin“ auch ein „Ausbau des Medienboard Berlin Brandenburg“ angekündigt ist. In Brandenburg, das mit dem Standort Babelsberg maßgeblich von der Filmförderung profitiert, läuft die Medienbranche Sturm, hat dem Vernehmen nach bei Platzeck und Christoffers interveniert. Noch hofft auch Berlin „stark“, sagt Böhning, „dass Brandenburg umdenkt.“ Thorsten Metzner

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