Brandenburg : Herzdiagnose aus der Ferne

Brandenburg will als erstes Bundesland alle Infarktpatienten per Telemedizin betreuen.

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Virtueller Arzt. Gefährdete Herzpatienten senden Vitaldaten künftig über Mobilfunk an den Arzt.
Virtueller Arzt. Gefährdete Herzpatienten senden Vitaldaten künftig über Mobilfunk an den Arzt.Foto: Frank Peters

Potsdam - In Brandenburg soll Herzpatienten künftig aus der Ferne der Puls gefühlt werden. Ab Herbst startet hier das deutschlandweit erste flächendeckende Telemedizinnetzwerk für Menschen, die einen Herzinfarkt erlitten haben. Dabei sollen nach Tagesspiegel-Informationen 500 Hochrisikopatienten vom Carl- Thiem-Klinikum Cottbus und vom Städtischen Klinikum Brandenburg/Havel betreut werden. Am heutigen Dienstag soll das Projekt, an dem auch die Telekom, die AOK Nordost und das Medizintechnik-Unternehmen Getemed aus Teltow beteiligt sind, offiziell vorgestellt werden.

Damit sei Brandenburg Vorreiter auf diesem Gebiet, hieß es aus dem Potsdamer Gesundheitsministerium. Von einem Meilenstein in der medizinischen Versorgung ist sogar die Rede. Der Anlass für das Projekt ist allerdings ernst: Auf dem Land fehlen Ärzte, und Rettungskräfte haben lange Wege zurückzulegen.

Die Idee ist denkbar einfach, es ist ein Frühwarnsystem: Werden Patienten nach einem Herzinfarkt aus der Klinik entlassen, müssen sie zwölf Monate lang weiter intensiv beobachtet werden, damit sie nicht erneut einen Infarkt erleiden. Das neue Telemedizinprojekt soll teure Krankenhausaufenthalte und weite Wege zum Arzt vermeiden. Die Patienten messen täglich ihr Gewicht, den Sauerstoffgehalt ihres Blutes, den Blutdruck und ihre Herzwerte mit einem EKG. Die Daten von den Messgeräten sowie Angaben zum Befinden und eingenommenen Medikamenten werden über einen Minicomputer und Mobilfunk in die Telemedizinzentren nach Cottbus und Brandenburg/Havel übermittelt. Dort werten Ärzteteams rund um die Uhr Ergebnisse aus. Befindet sich ein Patient in einem kritischem Zustand oder droht ein Herzinfarkt, wird sofort der Hausarzt und zuständige Facharzt informiert. Sie haben sofort Zugriff auf die Daten, die in die elektronische Patientenakte eingespeist werden.

Brandenburgs Gesundheitsministerium, aber auch die AOK, erhoffen sich sinkende Kosten bei teuren Krankenhausaufenthalten. Zugleich soll damit die Sterblichkeitsrate von Herzkranken, die in Brandenburg mit am höchsten ist, deutlich gesenkt werden. Überdies landen in der Mark Herzpatienten häufiger in der Klinik als im Bundesdurchschnitt. Mit insgesamt 1,53 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket hat das Land nun den Aufbau des Telemedizinnetzwerkes gefördert, bei dem die Fernüberwachung der Patienten erstmals als Kassenleistung anerkannt wird.

Bereits seit einigen Jahren wird nach innovativen Lösungen gesucht. In Nordbrandenburg betreut das Telemedizinzentrum der Berliner Charité in einem Pilotprojekt des Bundesforschungsministeriums namens „Fontane“ seit 2008 Herzpatienten, es gilt als „Impulsgeber“. Auch die Charité soll in das neue Netzwerk eingebunden werden. Der Kardiologe Friedrich Köhler von der Charité spricht von vielversprechenden Ergebnissen. Demnach müsse die Versorgung von Herzpatienten in Brandenburg trotz Ärztemangels nicht schlechter sein als in Metropolen wie Berlin. Neue Technik und das Know-how hätten das Zeug zu Exportartikeln. Brandenburg sei auf diesem Gebiet internationale Spitze.

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