Berlin : Brandenburg ist bei Nebenkosten teurer als Berlin

Wohnungsunternehmen nennt Differenzen irrwitzig Extrem hoch sind die Wasserpreise in der Region

Thorsten Metzner

Potsdam/Berlin - Für eine Metropole dürfte es international ein Novum sein: In Berlin lebt es sich günstiger als in anderen deutschen Großstädten, aber auch als im benachbarten Land Brandenburg. Die Hauptstädter zahlen für Müll, Fernwärme, Erdgas und Strom deutlich weniger. Das geht aus der aktuellen „Preisdatenbank“ des Verbandes Berlin-Brandenburger Wohnungsunternehmen (BBU) hervor, die am Dienstag in Potsdam vorgestellt wurde. Danach zahlt etwa ein Berliner Musterhaushalt monatlich 148 Euro für Fernwärme, Wasser, Müll und Strom. In Cottbus und Potsdam sind es 165 Euro, in Frankfurt (Oder) und Brandenburg/Havel sogar 180 Euro. „Es ist in der Region teurer, auf dem Lande zu leben“, sagte BBU-Vorstand Ludwig Burkhardt.

Nicht erklärbar seien aber die innerhalb Brandenburgs „irrwitzigen“ Unterschiede bei Nebenkosten. „Die Landeskartellbehörde muss endlich eingreifen“, forderte Burkhardt. Zudem müssten Anbieter verpflichtet werden, ihre Kalkulationen offen zu legen. Tatsächlich sind, ob bei Fernwärme, Erdgas, Strom oder Müll, sowohl das Gefälle zwischen Berlin und Brandenburg, als auch die Differenzen innerhalb des Landes immens. Die Prignitzer zahlen für die Müll-Abfuhr 78,79 Euro je Kubikmeter, was weit über dem Brandenburger Durchschnitt (48 Euro) liegt. Und schon der ist mehr als doppelt so hoch wie in Berlin (21,74 Euro). Die Müllentsorgung in der Hauptstadt ist so billig wie in keiner anderen Großstadt (Frankfurt/Main: 65 Euro), Hamburg 44 Euro).

Oder Fernwärme. Dafür zahlt man in Werder stattliche 119 Euro für die Megwattstunde – Spitze im Land. Es folgen Falkensee (118 Euro) und Hennigsdorf (117 Euro). In Senftenberg und Großräschen hat man es dagegen für nur 72 Euro warm, der Brandenburger Durchschnitt liegt bei 95 Euro. Mit 67 Euro zahlen auch hier die Berliner deutlich weniger. Das Gleiche gilt für Strom (Vattenfall Berlin: 0,219 Euro je Kilowattstunde, Brandenburgs Durchschnitt: 0,238 Euro). Am billigsten ist Elektrizität in Senftenberg (0,22 Euro), am kostspieligsten in Angermünde (0,25 Euro). Im Großstadt-Vergleich liegt Berlin hier im Mittelfeld: Teurer ist Strom in Leipzig (0,25 Euro), Essen und Potsdam (0,23 Euro), billiger in München (0,21 Euro).

Für Erdgas müssen in der Region die Potsdamer am tiefsten in die Tasche greifen (73,57 Euro je Megawattstunde). Es folgen Luckenwalde (68,77 Euro) und Spremberg (67 Euro). Nur 51,77 Euro sind dagegen für die Bewohner von Erkner, Fürstenwalde, Strausberg und Königs Wusterhausen fällig. Brandenburgs Durchschnitt beim Erdgaspreis sind 60,78 Euro, Berlin liegt 58,70 Euro auch hier darunter – und auch unter Stuttgart (62 Euro).

Sehr teuer sind Brandenburg und Berlin dagegen bei den Wasser- und Abwassergebühren: So müssen in Brandenburg im Durchschnitt 5,14 Euro je Kubikmeter Wasser/Abwasser gezahlt werden, in Berlin sind es 5,10 Euro. Zum Vergleich: Die Kölner zahlen für den Kubikmeter nur 3,19 Euro, also fast zwei Euro weniger; in München sind es 3,22 Euro. Als Gründe nennt der BBU die Privatisierung der Berliner Wasserbetriebe und die verfehlte Abwasserpolitik Brandenburgs in den 90er Jahren mit dem Bau überdimensionierter Anlagen.

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