Brandenburg : Randale in Potsdam

Mehr als 200 vorwiegend junge Menschen haben in der Silvesternacht in Potsdam randaliert.

Potsdam - Eine Hundertschaft der Polizei habe Straßenbarrieren in der Innenstadt abgeräumt und die Personalien von rund 220 Menschen aufgenommen, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. Sechs Personen seien in Gewahrsam genommen worden. Verletzte habe es nicht gegeben.

Zunächst war ein Streifenwagen in die Charlottenstraße gerufen worden, weil Unbekannte versuchten, einen Müllcontainer in Brand zu setzen. Bei der Ankunft wurde der Polizeiwagen aus einer Gruppe von etwa 100 Menschen heraus mit Silvesterraketen beschossen und mit Bierflaschen und anderen Gegenständen beworfen. Dabei wurde das Auto beschädigt. Müllcontainer wurden auf die Straßenbahngleise geworfen. Daraufhin sperrte die Polizei die Straße.

Kurz darauf wurden die Gleise erneut mit Müllcontainern und Fahrradständern blockiert. Rund 100 Beamte waren im Einsatz, um die Straße zu räumen und die Personalien aufzunehmen. Sechs Verdächtige waren am Sonntagmittag noch in Gewahrsam. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen Landfriedensbruchs, gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.

Ansonsten sei die Nacht weitgehend ruhig verlaufen, hieß es bei der Polizei. Es habe lediglich kleinere Brände und leichtere Verletzungen durch Feuerwerkskörper gegeben.

In Neuseddin (Potsdam-Mittelmark) mussten kurz vor dem Jahreswechsel wegen eines Kellerbrandes 25 Mietparteien ihr Haus vorübergehend verlassen. Acht Feuerwehren löschten das Feuer, bevor es sich ausbreiten konnte. Vier Menschen wurden wegen Verdachts auf Rauchvergiftung in Krankenhäuser gebracht. Es bestehe der Verdacht der Brandstiftung, hieß es.

Landesweit wurden mehrere Müllcontainer und Briefkästen angezündet. In Neuruppin brannte eine Restmülltonne, in Ahrensfelde (Barnim) und Kyritz (Ostprignitz-Ruppin) mehrere Papiercontainer. In Neuruppin setzte eine Silvesterrakete ein Zimmer in Brand. Verletzt wurde niemand.

Weitgehend störungsfrei lief der Verkehr. An Silvester zählte die Polizei 124 Unfälle mit zusammen 14 Verletzten. 33 dieser Unfälle seien witterungsbedingt gewesen, hieß es. Bis zum Mittag des Neujahrstages gab es landesweit 24 Unfälle mit einer Toten und zusammen drei Verletzten.

Auf der Bundesstraße 87 nahe Luckau (Dahme-Spreewald) kam am frühen Neujahrsmorgen eine Frau ums Leben. Das Auto, in dem sie als Beifahrerin saß, war aus ungeklärter Ursache in den Gegenverkehr geraten und mit einem anderen Auto zusammengestoßen. Der Fahrer überlebte den Unfall schwer verletzt. Der Fahrer des anderen Wagens blieb unverletzt.

Bei Kontrollen erwischte die Polizei kurz nach Mitternacht in Werder/Havel (Potsdam-Mittelmark) einen 22-jährigen Autofahrer mit zwei Promille. «Der Führerschein konnte nicht sichergestellt werden, da er nicht im Besitz eines solchen ist», hieß es im Polizeibericht. Ein 19-jähriger Radfahrer wurde mit 1,95 Promille gestoppt.

In Rathenow (Havelland) wollte die Polizei einen Radfahrer anhalten, der ohne Licht unterwegs war. Der 22-Jährige radelte zunächst weiter und flüchtete dann zu Fuß. Nur wenig später wurde er aber gestellt. Er pustete sich auf 1,64 Promille, eine Blutprobe wurde angeordnet. In der Rettungsstelle trat der junge Mann nach den Polizeibeamten und versuchte sie anzuspucken.

Bis zum Mittag des Neujahrstages gab es noch keine Neugeburten in Potsdam. Beide großen Kliniken meldeten Fehlanzeige. «Das haben wir alles noch im letzten Jahr erledigt», sagte eine Hebamme der dpa. (Von Matthias Benirschke, dpa)

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