Berlin : Brandenburg veröffentlicht Schulberichte

Ergebnisse der amtlichen Visitationen sind im Internet abrufbar. Bildungsministerin hofft, damit die Qualität verbessern zu können.

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Potsdam - Nach Berlin müssen jetzt auch Brandenburgs Schulen ihre Stärken und Schwächen öffentlich bekennen. Seit Montag sind die Ergebnisse der Schulvisitationen im Internet abrufbar. Bildungsministerin Martina Münch (SPD) schaltete die ersten 70 Berichte frei, die Auskunft über die Qualität des Unterrichts, zum Schulklima, zur Zufriedenheit von Schülerinnen und Schülern sowie Eltern mit ihren Schulen oder zur Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern geben. „Ab heute kann sich jeder darüber informieren, wie gut die Schule oder Wunschschule in bestimmten Bereichen ist, welche Stärken und Schwächen sie hat und was sie möglicherweise unternimmt, um erkannte Defizite abzubauen“, sagte Münch. Ziel sei mehr Transparenz und schulische Weiterentwicklung, sagte Münch.

Die Schulvisitationen waren vor sieben Jahren eingeführt worden. Grund war das regelmäßig schlechte Abschneiden Brandenburger Schüler bei Bildungstests wie Pisa. Die Pisa-Studie 2001 verwies sie deutschlandweit auf den letzten Platz. Im vergangenen Jahr hatte Münch die Ergebnisse des ersten Durchlaufs der Visitation an allen Schulen Brandenburgs vorgelegt: Bei der Qualität des Unterricht gibt es eklatante Schwächen. Brandenburger Schüler werden zu wenig individuell gefördert. Genau dies aber zählt für die Bildungsexperten nach den miesen Pisa-Ergebnissen zu den wichtigsten Kriterien. Ein genauer Vergleich zwischen der ersten und der zweiten Visitationsrunde ist nicht machbar, da die ersten Berichte nicht oder nur von einzelnen Schulen veröffentlicht wurden. Doch zumindest die wenigen neuen Ergebnisse zeigen: An vielen Brandenburger Schulen hat sich wenig getan, die Regel ist noch immer Frontalunterricht und reines Abfragen von Wissen. Auch Münch sprach davon, dass es die größten Defizite weiterhin bei der individuellen Förderung gibt. Hinzu kommt, dass schrittweise alle Schulen nach dem Konzept der Inklusion arbeiten sollen, also auch benachteiligte und behinderte Kinder in den regulären Klassen unterrichten sollen. Der Bedarf individueller Förderung steigt also. Die Gewerkschaften beklagen, dafür sei mehr Personal nötig, und kündigten Proteste an. In der „Potsdamer Erklärung“ vom Wochenende fordern Lehrer und Personalräte mehr Stellen, die Rücknahme von Kürzungen beim Weihnachtsgeld und weniger Unterrichtsstunden pro Woche. Die rot-rote Landesregierung müsse die Schieflage im Bildungssystem beheben. Münch dagegen erklärte, Brandenburg sei mit Lehrern „gut ausgestattet“, auf einen Lehrer kämen 15,4 Schüler, was bundesweit einmalig sei.

Münch will vor allem mit Fortbildungen gegensteuern. Schulleiter stehen besonders unter Beobachtung, nach der ersten Runde von Visitationen gab es einige Wechsel. Auch bei der schulinternen Qualitätssicherung sieht man Nachholbedarf, was den selbstkritischen Blick angeht. „Das hat auch etwas mit Haltung zu tun“, sagte der für Schulqualität zuständige Referatsleiter im Bildungsministerium.

Auf Druck der Eltern und Schüler werden die Ergebnisse der Visitationen nun im zweiten Durchlauf veröffentlicht. Bis zum Jahr 2016 sollen die Berichte für alle 740 öffentlichen Schulen im Land einsehbar sein. Das helfe, die Selbstheilungskräfte an den Schulen zu aktivieren, die bei den attestierten Schwächen nun gezielt gegensteuern könnten, sagte Münch. „Wir halten den Schulen einen Spiegel vor“, sagte Münch. Das sei auch für die Lehrer eine Umstellung und „eine neue Art zu kommunizieren“. Münch zufolge haben die Visitationen bereits etwas bewirkt. Schulen, die besonders schlecht abgeschnitten haben, wurden Experten und Berater zur Seite gestellt. „Die Schulen holen jetzt auf“, sagte Münch.

Auch in Berlin werden die Schulinspektionsberichte veröffentlicht. Demnach gibt es erhebliche pädagogische Mängel. Beim „individualisierten Lernen“ bekamen die meisten Schulen die schlechteste Bewertung.

Die Schulberichte im Internet: www.bildung-brandenburg.de/schulportraets

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