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Potsdamer Klinikum : Erneut zwei Säuglinge von Darmkeimen befallen

07.12.2012 18:16 Uhrvon und
Frühchen bedürfen besonderer Pflege - sie sind besonders anfällig. Auch eigentlich harmlose Keime können ihnen gefährlich werden. Foto: dpaBild vergrößern
Frühchen bedürfen besonderer Pflege - sie sind besonders anfällig. Auch eigentlich harmlose Keime können ihnen gefährlich werden. - Foto: dpa

Es gibt zwei neue Fälle von infizierten Frühchen am Potsdamer Ernst von Bergmann-Klinikum: Die Haut zweier Kinder sei mit dem Darmkeim besiedelt. Dass diese Fälle gemeldet worden seien, hätten aber nichts damit zu tun, dass die Situation alarmierend sei, heißt es.

Auf der Frühchenstation des Ernst-von-Bergmann-Klinikums ist bei zwei Neugeborenen der Darmkeim Enterobacter festgestellt worden. Damit hat sich nach den Ende Oktober aufgetretenen Keimbefunden die Zahl auf zehn Fälle erhöht. Wie die Klinikdirektion mitteilte, ist die Haut der beiden Kinder mit den Keimen besiedelt, ein Säugling sei nach Infektionsanzeichen mit einem Antibiotikum behandelt worden. „Beiden Kindern geht es sehr gut“, sagte die Ärztliche Direktorin Ortrud Vargas Hein.

Enterobacter sind ähnlich gefährlich wie die zur selben Familie gehörenden Serratien, die bei dem im Oktober an der Berliner Charité gestorbenen Frühgeborenen gefunden worden waren.

Hier habe es keine neuen Fälle gegeben, sagte eine Sprecherin am Freitag: „Derzeit sind noch acht Kinder, die vom Serratia-Ausbruch betroffen waren, in der Klinik: Vier hatten eine Infektion, die mit Antibiotika erfolgreich behandelt wurde. Bei vier weiteren Kindern war der Keim auf Schleimhäuten nachgewiesen worden.“ Auch am Berliner Herzzentrum, wo ebenfalls mehrere Säuglinge von Serratia-Keimen befallen waren, ist nach Auskunft einer Sprecherin kein neuer Fall aufgetreten.

Die Befunde an der Potsdamer Klinik sind bei der wöchentlichen Routineuntersuchung der derzeit zwölf Frühchen auf der Station festgestellt worden. Die betroffenen Kinder kamen nach Klinikumsangaben Ende November zur Welt. „Die Situation ist nicht alarmierend und stellt sich weder medizinisch noch krankenhaushygienisch als kritisch dar“, sagte Michael Radke, Klinik-Chefarzt für Kinder- und Jugendmedizin.

Um der Melde- und Transparenzpflicht nachzukommen, habe man jedoch das Gesundheitsamt und die Öffentlichkeit informiert. Er sehe das durchaus als Risiko, sagte Radke, weil die Information „über einen an sich normalen Zustand“ dennoch zu Verunsicherung führe.

Es gebe keinen Grund zur Sorge, versicherte der Mediziner. Bei Frühgeborenen müsse grundsätzlich von einem Hygieneproblem ausgegangen werden, Frühchen würden immer mit einer Infektion oder Besiedlung mit Keimen zur Welt kommen. Der Darmkeim sei Radke zufolge nicht problematisch. „Er lässt sich gut und schnell behandeln.“ Nachdem nunmehr jedoch zehn Kinder mit demselben Keim besiedelt sind, seien auf der Station die ohnehin strengen Hygienestandards überprüft und Mitarbeiter geschult worden. „Wir gehen allen möglichen Fehlerquellen nach, aber bislang haben wir nichts festgestellt“, sagte Andreas Knaust, Chefarzt der Abteilung für Mikrobiologie und Krankenhaushygiene. „Man darf sich das nicht so vorstellen, dass die Bakterien in der Ecke sitzen und zum Angriff starten“, sagte Knaust.

Auch an der Charité konnte die Ursache für den Ausbruch von Darmkeimen auf einer Frühgeborenenstation trotz umfangreicher Untersuchungen einer Expertenkommission nicht festgestellt werden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch wegen des Verdachts auf fahrlässige Körperverletzung. Im Oktober war bekannt geworden, dass Serratia-Keime auf der Frühgeborenenstation festgestellt wurden – die ersten bereits Anfang Juli.

Seit dem 18. Oktober seien keine neuen Fälle aufgetreten, teilte die Charité-Sprecherin mit. Laut epidemiologischer Bewertung der zuständigen Behörden gelte der Ausbruch damit als gestoppt. Demnach könne die Charité an beiden Campi extrem unreife Frühchen und schwerkranke Neugeborene wieder aufnehmen und versorgen.

Dennoch bleibe die Isolation der durch den Ausbruch betroffenen Frühchen weiterhin durch eine räumliche und personelle Trennung gewährleistet, sagte die Sprecherin. Erst wenn das letzte Kind entlassen werde, sei der Ausbruch offiziell beendet. Und da die Kinder so klein und unreif geboren wurden, müsse man nach Einschätzung der Ärzte auf diese Nachricht noch bis ins neue Jahr warten.

Fünf Potsdamer Kinder, die mit dem Darmkeim besiedelt waren, sind laut Klinikum inzwischen zu Hause. Vier Neugeborene werden weiterhin auf der Frühchenstation behandelt, ein Säugling auf der Kinder-Intensivstation betreut.

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