Berlin : Brandenburger Blutwurst

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Ein griffiges Motto haben die Brandenburger Spitzenköche für den Fall, dass sie sich zum gemeinsamen Kochen treffen: „Brandenburg unter Dampf“. Doch so richtig dampft es vor allem, wenn Berliner Kundschaft nah ist kein Wunder, dass am Freitag zum Köpenicker Hotel Dämeritzsee, noch knapp auf Berliner Boden, rund 120 Gäste aus allen Himmelsrichtungen gekommen waren, um sich unter Aufsicht des Schirmherren der Aktion, Innenminister Jörg Schönbohm , auf regionaltypische Weise verwöhnen zu lassen. Die Stammköche Frank Schreiber (Finsterwalde), Gottfried Specker (Potsdam), Roy Augustin (Motzen), Dieter Kobusch (Luckenwalde/Dämeritzsee) hatten sich zu diesem sechsten Treffen erstmals mit Carmen Krüger aus Eichwalde verstärkt, die zusammen mit ihrem Ehemann und Mitstreiter Wolfgang Haase gleich beim eröffnenden Küchenrundgang auf ihre bodenständig trockene Art vorführte, dass ein richtiger „Brandenburger“ in Wahrheit ein in Kartoffelkruste gebratenes Stück Blutwurst mit Sauerkraut ist. Doch Brandenburg ist groß, das stellte sich spätestens heraus, als Frank Schreiber eine gebratene Riesengarnele mit Kakaonudelblättern und Ofentomaten auftischte, eine Kreation, die garantiert noch in keinem Kochbuch der Region zu finden ist. Nach Speckers abschließendem „RhumPavé au chocolat“, einer mit Rumtopffrüchten gefüllten Schoko-Köstlichkeit, redete sich noch manch Betroffener den Zorn darüber von der Seele, dass die Presse nur so zögernd Kenntnis nehme von der Aktion. Die nächste Folge findet im Frühjahr in Potsdam statt – und Gastgeber Gottfried Specker hofft, dass die brandenburgische Polizei dann nicht wieder zum Dessert eine Alkoholkontrolle exakt an der Glienicker Brücke aufbaut – vielen seiner Berliner Stammgäste hat so etwas schon den Weg nach Potsdam verleidet. Er wird den Abend genutzt haben, um mit dem Innenminister Klartext zu reden. bm

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