Berlin : Brandenburger Fußballtor

Auf dem Pariser Platz kommt die WM ins Rollen: Ein kugelrundes, fast zwanzig Meter hohes Informationszentrum soll auf 2006 vorbereiten

Lothar Heinke

Der Pariser Platz wird zum Fußballplatz, das Brandenburger Tor zum Fußballtor. Dort wächst seit gestern ein riesiger, am Ende fast 20 Meter hoher Fußball. Im Innern ist er begehbar und bietet interaktive Spiele, virtuelle Installationen und großflächige Projektionen. Nachts wird der Ball zum bunt illuminierten Globus. Am 12. September soll die Raumskulptur feierlich eröffnet werden. Sie bleibt sechs Wochen in Berlin und tourt dann durch alle Austragungsorte der Fußball-WM 2006.

„Das Ganze soll Vorfreude und Appetit auf das sportliche Großereignis wecken“, sagt Hertha-Manager Dieter Hoeneß gestern, als die ersten Stahlträger des Ball-Gerippes aufeinander getürmt werden. Deutschland werde sich leicht, beschwingt und kulturell von seiner besten Seite zeigen, meint auch Herthas Ex-Kapitän Michael Preetz, darauf könne man sich an und in diesem Ball schon mal einstimmen. Und Senatssprecher Michael Donnermeyer schwärmt von „dieser riesigen Imagewerbung“ für die Stadt: „Beim Berlin-Marathon laufen Zigtausende durchs Tor an diesem silbernen Ball vorbei, und die Welt schaut zu.“

Wenn Bundeskanzler Schröder, Innenminister Schily, Fifa-Präsident Blatter und Organisationschef Beckenbauer am 12. September – tausend Tage vor dem WM-Anpfiff – als erste über eine Treppe in den auf silbern glänzenden Containern montierten Ball-Saal gehen, bietet sich ihnen eine verwirrende Welt technischer Finessen und Spielereien. Eng sind die Grenzen der Geheimnisse, die jetzt schon gelüftet werden: Die „interaktiven Spiele, Projektionen und Installationen virtueller Art“ bilden eine Erlebniswelt, in die der Besucher eintaucht und an der er sich beteiligen kann. Der Gebrauch der Video- und Audiotechnik soll lehrreich, spaßig und spannend sein, ein bisschen wie bei der einstigen Info-Box vom Potsdamer Platz, nur eben in runder Hülle. Und da Multimedia-Künstler André Heller das Projekt gestaltet, darf gestaunt (und mitgemacht) werden. Etwa 200 Personen passen in den Ball, dessen Eintritt zwei (für Kinder: einen) Euro kostet.

Bevor es mit Polyester verkleidet wird, ähnelt das Gerippe dem Brüsseler Atomium. Im Ball stecken 60 Tonnen Stahl. Es werden fast fünf Kilometer Kabel verlegt, 20 000 Leuchtkörper und 40 Lautsprechersysteme montiert. Die Konstruktion entspricht einem klassischen Fußball mit 20 Sechs- und zwölf Fünfecken. „Der Bau zeigt uns allen, dass die WM näher rückt“, sagt Dieter Hoeneß. Berlin tut seine Pflicht: Der Umbau des Olympiastadions liegt im Zeitplan, 70 Prozent der Arbeiten sind abgeschlossen, über 18 000 Plätze überdacht – in einem Jahr müssen es 76 000 sein. Denkt Herthas einstiger Nationalkicker schon (oder noch) an eine WM? „Klar, gerade jetzt“, sagt Hoeneß. „Damals 1986, in Mexiko, haben wir bei 45 Grad Hitze gespielt.“

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