Berlin : Brandenburger Tor: Die Enthüllung ist vertagt

C. v. L.

Das Brandenburger Tor ist so angeschlagen, dass es vermutlich fast ein dreiviertel Jahr länger saniert werden muss als vorgesehen, erst zum Herbst 2002 enthüllt ist und in neuem Glanz erstrahlt. Zusätzliche Untersuchungen des Landesdenkmalamtes hätten ergeben, dass Berlins Wahrzeichen tatsächlich viel schadhafter ist als zunächst erwartet, hieß es am Donnerstag in der Behörde für Stadtentwicklung. Man werde den Senat von dem Ergebnis informieren und erwarte recht bald eine Entscheidung, wie es mit der Tor-Sanierung weitergehen soll.

Seit November letzten Jahres wird an dem Tor gearbeitet, nach der noch gültigen Planung sollten Reparatur und Säuberung Ende Januar 2002 abgeschlossen sein. Schon in den letzten Monaten waren auch im Senat zunehmend Zweifel am Zeitrahmen geäußert worden, da sich hinter der spektakulären Verhüllung immer neue Schäden auftaten. Stadtentwicklungssenator Peter Strieder rechnete schon mit einer Fertigstellung zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2002. Die neue Untersuchung scheint ihm Recht zu geben. Über Einzelheiten wollten seine Verwaltung und das Landesdenkmalamt gestern nichts sagen, lediglich von "zusätzlichen Maßnahmen" war die Rede, die Angelegenheit werde als "Chefsache" behandelt. Der Senator selbst wollte sich am Donnerstag dazu nicht äußern. Die private Stiftung Denkmalschutz Berlin, die das Tor mit Sponsorengeldern von rund fünf Millionen Mark saniert, teilte mit, ihr sei das Untersuchungsergebnis nicht bekannt. Man mache ohnehin nur das, was das der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung unterstellte Landesdenkmalamt vorgebe. Die Stiftung sei von Anfang an davon überzeugt gewesen, dass eine ordnungsgemäße Sanierung 24 Monate dauern müsste, der Senat aber habe eine kürzere Zeit verlangt.

So könne man sich durch die neueste Entwicklung nur bestätigt sehen, hieß es. Wenn sich die Stiftung mit dem Land Berlin nun auf wenigstens 21 Monate einige, könnte das Tor Ende August nächsten Jahres "komplett fertig" sein.

Rund 20 000 "Wunden" hat das Brandenburger Tor zur Zeit, ursprünglich sollen es sogar 50 000 gewesen sein, verursacht vor allem durch Kriegsmunition, aber auch fehlerhafte Ausbesserungsarbeiten in der frühen Nachkriegs- und Nachwendezeit. Etwa 1080 größere Steine, so genannnte Sandsteinvierungen, müssten während des Sanierungsprogramms erneuert werden, rund 200 habe man bisher abgearbeitet, teilte Chefrestaurator Stefan Grell am Donnerstag mit.

Die Geschichte der Tor-Sanierung ist reich an Streitigkeiten, vor allem auch innerhalb der Zunft der Restauratoren. So wurde unter anderem die eingesetzte Laser-Technik kritisiert. Vor wenigen Wochen hatte die Stiftung, deren Geschäftsführer der frühere Landeskonservator Helmut Engel ist, Vorwürfe zurückgewiesen, sie wolle mit einer längeren Sanierung weitere Werbemillionen kassieren. Das Geld gehe "eins zu eins in die Arbeiten am Tor". Die Senatsverwaltung betonte, dass niemand so streng vom Fiskus überwacht werde wie eine Stiftung.

Die Behörde selbst sah sich zu Beginn der Tor-Arbeiten dem Vorwurf ausgesetzt, den Auftrag ohne Ausschreibung vergeben zu haben. Sie konterte damit, dass die Stiftung von sich aus die Reparatur angeboten habe und öffentliches Geld nicht ausgegeben werden müsse. Im übrigen, so hieß es damals, gehe es mehr um kosmetische Arbeiten am Brandenburger Tor, das Berliner Wahrzeichen sei strenggenommen kein Sanierungsfall. Inzwischen sieht man die Lage anders.

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