Berlin : Brandenburger Tor: Gutachter ermitteln: Wie krank ist die Quadriga wirklich?

C. v. L.

Wie groß sind die nachträglich erkannten Schäden am Brandenburger Tor? Wird die private Stiftung Denkmalschutz Berlin über das vereinbarte Maß hinaus mit der Sanierung beauftragt? Und wie lange bleibt letztlich das Berliner Wahrzeichen verhüllt? Fragen, die sich in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung stellen und die möglichst noch in der Sommerpause beantwortet werden sollen. Mit Spannung wird spätestens in 14 Tagen ein wissenschaftliches Gutachten des Landesdenkmalamtes erwartet, das belegen soll, wie kaputt das Brandenburger Tor wirklich ist. Für die Quadriga wurde ein Extra-Gutachten in Auftrag gegeben. Deren mögliche Sanierung müsse nicht die Stiftung übernehmen, sagte gestern Behördensprecherin Petra Reetz. "Die Stiftung arbeitet nur am Stein."

Die Expertisen sollen nicht nur klären, ob die Quadriga wirklich so stark beschädigt ist, wie die Stiftung meint, sondern ob das Technikmuseum richtiger liegt, das die Schäden bezweifelt. Von den Gutachtern verspricht sich die Verwaltung vor allem aber Klarheit darüber, wie fachgerecht die bisherigen, von Sponsoren finanzierten Sanierungsarbeiten ausgeführt worden sind. Petra Reetz sagte, die Behörde veranlasse Qualitätskontrollen und sei überzeugt davon, dass Fachleute am Ort seien, die ihr Handwerk verstünden. Entscheidend sei, wer die eigentliche Arbeit am Brandenburger Tor mache.

Zu den im Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" geäußerten Vorwürfen, Stiftungsvorstand Reinhard Müller und Geschäftsführer Helmut Engel, der ehemaligen Landeskonservator, hätten sich Aufträge zugeschanzt, wollte sich die Behörde nicht äußern. Sie wies nur darauf hin, dass niemand so streng vom Fiskus überwacht werde wie eine Stiftung. Die müsse jeden Pfennig belegen, den sie für das Brandenburger Tor erhalte. Und auch der Sponsor Telekom müsse seine Gelder nachweisen. An private Bereicherung glaubt die Behörde nicht.

Marion Uhrig, Sprecherin der Stiftung Denkmalschutz Berlin, wies Vorwürfe zurück, die Stiftung wolle mit längerer Sanierung weitere Werbemillionen kassieren und Engel und Müller wirtschafteten in die eigene Tasche. Das Sponsorengeld gehe "eins zu eins in die Arbeiten am Tor". Man wolle wertvolle Denkmalsubstanz erhalten und dafür Geld sammeln, das die öffentliche Hand nicht habe. Es werde "privates Engagement von Bürgern im besten Sinne betrieben und von offensichtlichen Neidern verunglimpft". Müller und Engel erwägen uristische Schritte.

Bislang ist die Sanierung auf knapp fünf Millionen Mark veranschlagt, sie soll nach den geltenden Vereinbarungen Ende Februar beendet sein. Eine Verhüllung bis spätestens September 2002 ist möglich, doch zusätzliche Sanierungsarbeiten müssen erst vom Senat beschlossen werden.

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