Brandenburger Tor : Wurstbuden-Streit beigelegt

Der Streit um die Currywurst an Berlins erster Adresse ist vorbei. Touristen wie Politiker können am Brandenburger Tor wieder in das kulinarische Wahrzeichen der Hauptstadt beißen.

Berlin (20.06.2005, 16:55 Uhr) - Mit der Wiedereröffnung von Berlins wohl berühmtesten Imbiss mitten im Regierungsviertel geht der Krieg um die heiße Wurst zwischen Behörden, Budenbesitzern und Restaurants zu Ende: Die Currywurstbude ist wieder da. Seit Montag brutzelt Imbiss-Besitzerin Elke Zieschang in der Ebertstraße beim Brandenburger Tor bis zu 1000 Würste pro Tag. Und das mit dem Segen und ausdrücklicher Genehmigung der Behörden.

Denn Zieschangs Vorgänger mussten sich immer wieder mit den Ämtern auseinandersetzen. Mal passte die Currywurstbude den Behörden nicht in das Nobel-Ambiente am Pariser Platz und musste umziehen. Dann beschwerten sich die anliegenden Restaurants wegen der Tiefpreis-Konkurrenz. Im Februar 2003 mussten die Vorbesitzer dann den Grill erst einmal abstellen. Nun hat einer der skurrilsten Dauerstreits am Rande der Berliner Republik ein versöhnliches Ende gefunden - mit Currywurst auf Öko-Basis.

"Für die Noch-Regierung ist das die politisch korrekte Currywurst", sagt die neue Imbiss-Besitzern. Die 100 Gramm schwere Wurst stammt von Schweinen aus artgerechter Haltung und ist frei von Antibiotika und Farbstoffen. Als besonderes Highlight verkauft die 46-Jährige jede Woche eine Wurst-Spezialität aus einem bestimmten Bundesland. Mit diesem Konzept hat sie sich in einer Ausschreibung des Bezirksamts gegen 30 weitere Mitbewerber durchgesetzt.

Die erste Bundestagsabgeordnete, die der fleischlichen Verlockung der Currywurst nachgibt, ist Hertha Däubler-Gmelin: "Ich gebe zu, die Versuchung ist groß, hier häufiger vorbeizukommen", sagt die SPD-Politikerin, die sich sonst eher als gemäßigte Currywurst-Genießerin sieht, bei der Eröffnung. Das Wurst-Konzept und ihre Rezepte will Zieschang auch bei einem möglichen Regierungswechsel im Herbst nicht gleich ändern: "Ich brate meine Würste für alle Politiker."

Im Schnitt 500 Würste müssen Zieschang und ihre zwei Angestellten pro Tag verkaufen, damit sich die Investition von 25.000 Euro für die acht Quadratmeter große Currywurstbude auszahlt. Die steht mit dem Farbton "Berliner Grün", so der Behördenjargon, Unter den Linden, etwa 30 Meter weg vom Reichstag. "Dieser satte Farbton sagt aber nichts über meine politische Einstellung aus", stellt Zieschang klar.

Für Politiker gibt es übrigens weder Rabatt noch Öko-Zuschlag für die Bio-Wurst, die kostet normal wie in der Curry-Version 2,50 Euro. "Der Preis ist vernünftig kalkuliert, auch der Bundeskanzler müsste seine 2,50 Euro berappen", sagt Zieschang. Sie hofft, dass er in den nächsten Tagen mal auf eine Portion vorbeikommt. (Von Volker Finis, ddp)

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