• Brandgefährliche „Klassenkämpfer“ melden sich zurück Mehrere Anschläge gehen auf das Konto der Kreuzberger Gruppe KgK – auch Stadtrat Schulz betroffen

Berlin : Brandgefährliche „Klassenkämpfer“ melden sich zurück Mehrere Anschläge gehen auf das Konto der Kreuzberger Gruppe KgK – auch Stadtrat Schulz betroffen

Jörn Hasselmann

Die in den 90er Jahren berüchtigte Berliner Terror-Gruppe „Klasse gegen Klasse“ ist offensichtlich wieder aktiv. Am frühen Mittwochmorgen brannten im Hof des Deutschen Architektur-Zentrums (DAZ) in der Köpenicker Straße zwei Volvos völlig aus. Ein weiterer Pkw und mehrere Scheiben des Altbaus wurden beschädigt. An die Fassade des denkmalgerecht sanierten Hauses schmierten die Täter „Weg mit dem DAZ“ – und zeichneten mit dem Kürzel „KgK“. Dieses „KgK“ las auch Kreuzbergs Baustadtrat Franz Schulz im Oktober letzten Jahres neben seinem Klingelknopf gesprüht – und die Aufforderung „Schulz hau ab“. In derselben Nacht brannte der BMW 316 von Schulz’ Freundin in der Görlitzer Straße aus. Die Polizei verschwieg damals, dass sich „Klasse gegen Klasse“ bekannt hatte.

Auch gestern hatte die Polizei nur mitgeteilt, dass zwei Autos in der Köpenicker Straße ausbrannten – nicht einmal die Hausnummer wurde verraten. Die Klassen-Kämpfer sind ein heikles Thema. „Überraschung, Überraschung“, sagte ein Beamter des Staatsschutzes gestern spontan, „wir dachten, die gibt es gar nicht mehr.“ Doch „der Schriftzug ist ja nicht abzustreiten“, hieß es beim Staatsschutz, der die Ermittlungen übernommen hat. Wie in den 90er Jahren stelle sich die Frage, ob es diese Gruppierung ist oder sympathisierende Trittbrettfahrer sind.

Zumindest beim Anschlag auf den Schulz-BMW zweifelt der Staatsschutz, ob das Klasse-gegen-Klasse-Original nach Jahren wieder tätig wurde. Denn als Brandbeschleuniger sei ein Pattexgemisch benutzt worden – eher untypisch.

Doch Brandanschläge auf Autos verbunden mit Parolen sind in den 90er Jahren das Markenzeichen gewesen. Vermutet wurden Kreuzberger Autonome als Täter, geschnappt wurde niemand. Im Haus des DAZ spekulierte eine Architektin gestern auf „Sozialneid“ als Motiv. „Volvo ist doch das klassische Architektenauto“, sagte eine Architektin, die in dem Haus ihr Büro hat. Von außen waren die Fahrzeuge, ein Volvo S60 und ein Volvo F40 nicht als Fahrzeuge von DAZ-Mitarbeitern erkennbar – sie standen in einer Ecke, in der man unbemerkt hantieren konnte. Ein Wagen gehörte einem Künstler, der Miteigentümer des Blocks Köpenicker Straße 48 ist, der andere einem Architekten, der im DAZ ein Büro gemietet hat.

Hintergrund des Anschlages könnte die Vertreibung der Wagenburg „Schwarzer Kanal“ durch die Architekten sein. Wie berichtet hatte das DAZ gegen den Bezirk Mitte geklagt, der die Wagenburg auf dem Nachbargrundstück siedeln lassen wollte. Das DAZ bekam vor Gericht Recht.

Zu Beginn der 90er Jahre traten die Linksextremisten von „Klasse gegen Klasse“erstmals in Erscheinung. In den vergangenen Jahren hörte man weniger von ihnen; zumindest bekannten sie sich nicht mehr zu Anschlägen.

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