Berlin : Brandsätze im Wal-Mart: Linke Täter vermutet

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Von Frank Jansen

und Otto Diederichs

Für den versuchten Brandanschlag auf die Wal-Mart-Filiale in Neukölln sind offenbar militante Linksextremisten verantwortlich. Auch wenn es bislang weder Bekennerschreiben noch -anrufe gibt, vermuten die Sicherheitsbehörden den oder die Täter in der autonomen Szene. Wahrscheinlich sollte ein Zeichen gegen den Besuch von US-Präsident Bush gesetzen werden. Am Freitagnachmittag folgte der nächste Vorfall: Wegen einer herrenlosen, verdächtigen Sporttasche gab es Alarm bei Burger King am Leopoldplatz. Sie stellte sich aber am Abend als harmlos heraus.

Die zwei Brandsätze bei Wal-Mart wurden, wie berichtet, am Donnerstagabend entdeckt und von der Polizei unschädlich gemacht. Wie in Sicherheitskreisen zu hören war, weist vor allem ein Indiz auf linksextreme Täter hin: Die Brandsätze entsprechen einer Bauanleitung, wie sie in der linksextremen Zeitschrift „radikal“ veröffentlicht wurde. Obwohl das fragliche Heft – es handelt sich um die Nummer 139 – schon im November 1989 erschien, schließen Sicherheitsexperten nicht aus, dass nach dieser Vorlage gebastelt wurde. Es wäre allerdings kein größerer Schaden zu erwarten gewesen. „Die Sprinkleranlage hätte die Flammen sofort gelöscht“, sagt ein Fachmann. Ein Brandsatz war in der Textilabteilung versteckt, der zweite beim Spielzeug.

In den vergangenen Tagen hatten Sicherheitsexperten mehrmals gewarnt, militante Linke könnten versuchen, den Besuch von George W. Bush mit Anschlägen auf Niederlassungen US-Firmen zu stören. Vor allem in der Innenstadt werden nun gefährdete Filialen besonders bewacht. Mögliche Anschlagsziele sind allerdings auch Fahrzeuge US-amerikanischer Fabrikate. Die als „Feierabendterroristen“ bekannte „militante gruppe“ hatte am 29. April in Groß Ziethen drei Chrysler-Pkw angezündet. Es entstand ein Sachschaden von etwa 50 000 Euro. In einem Bekennerschreiben, das in der Nähe des Tatorts gefunden wurde, äußerte die Gruppe ihren Protest gegen den Besuch von „Kriegstreiber“ Bush.

Im Internet ruft die autonome Szene unverhohlen zu militantem „Volxsport“ auf. Bei einer Sonder-Einsatzbesprechung der Sicherheitskräfte stand am Freitag die Sorge im Vordergund, wie den unberechenbaren „dezentralen Aktionen“ der radikalen Linken begegnet werden kann. Innensenator Ehrhart Körting kündigte am Freitag an, das gesamte Stadtgebiet werde mit einem „dezenten Schleier“ von Polizeibeamten „belegt“. So solle ein schnelles Zugreifen bei Störungen gewährleistet werden. An der Runde nahm der neue Polizeipräsident Dieter Glietsch teil. Laut Körting werden während des Staatsbesuchs die Zonen, in denen sich Bush aufhält, hermetisch abgesperrt. Nur wer „einen dringenden Grund“ nachweisen könne, dürfe passieren. Einkäufe seien nicht möglich. Die Polizei bietet rund 10 000 Beamte auf. Der Senator gab sich optimistisch: Er gehe nicht davon aus, „dass wir ein zweites Genua oder Ähnliches erleben“. In der Hafenstadt kam im Juli 2001 bei Krawallen anlässlich des G-8-Gipfels ein Demonstrant ums Leben. Nach Ansicht Körtings ist keine Welle von Gewalttouristen zu erwarten.

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