Brandstiftungsopfer : "Das muss ich erst einmal verkraften"

Drei Autos eines Berliners Hausmeisters sind innerhalb einer Nacht in Flammen aufgegangen. „Die so etwas tun, wissen nicht mehr, wie hart es ist, sich ein Auto zu erarbeiten“, sagt er.

Hausmeister Thiele steht vor dem, was von seinen Autos noch übrig ist.
Hausmeister Thiele steht vor dem, was von seinen Autos noch übrig ist.Foto: dapd

Es war wie in einem schlechten Traum: Mitten in der Nacht reißt die Türklingel Andreas Thiele aus dem Schlaf. Vor der Wohnung stehen Berliner Polizisten. Was die Beamten dem Hausmeister mitteilen, zieht ihm den Boden unter den Füßen weg. Thiele muss sich setzen. „Das musste ich erst einmal verkraften“, sagt er.

Gegen 3.15 Uhr hatten Autobrandstifter in der Lichtenberger Elli-Voigt-Straße einen Altkleidercontainer und einen Transporter angezündet. Darin befanden sich nach Polizeiangaben Gasflaschen, die in der Folge explodierten. Die Flammen schlugen auf drei weitere Fahrzeuge über. Sie gehörten alle Thiele. Ein weißer, drei Jahre alter Kleinbus und ein Wagen, mit dem vor allem der Sohn fuhr, brannte vollständig aus. Das Auto der Lebensgefährtin wurde indes nur leicht beschädigt und ist noch fahrtüchtig. Thiele schätzt seinen Schaden auf 35.000 bis 40.000 Euro.

Polizei nimmt Verdächtige fest

Bereits wenige Stunden später nahm die Polizei zwei Tatverdächtige fest, einen 22- und einen 23-Jährigen. Leider herrsche in der Hauptstadt ein Klima, in dem niemand mehr Achtung vor fremdem Eigentum habe, klagt Thiele. „Die so etwas tun, wissen nicht mehr, wie hart es ist, sich ein Auto zu erarbeiten.“ Seit zehn Jahren ist der vierfache Familienvater als Hausmeister beschäftigt. Vier Hausanlagen muss er täglich betreuen, doch in den kommenden Tagen ist seine Arbeitskraft eingeschränkt. Denn mit dem VW-Bus verschmorte zusätzlich auch das Werkzeug, das er von seiner Firma im Wert von 2000 Euro zur Verfügung gestellt bekommen hatte.

Wer kommt jetzt für den Schaden auf? Was zahlt die Versicherung? Das sind die Fragen, die Thiele nun durch den Kopf schießen.

Friedhof der ausgebrannten Autos
In einer Halle in Schöneberg sammelt die Polizei die ausgebrannten Autos der vergangenen Monate. Eine Bildergalerie.Weitere Bilder anzeigen
1 von 24Foto: Henning Onken
19.08.2011 08:01In einer Halle in Schöneberg sammelt die Polizei die ausgebrannten Autos der vergangenen Monate. Eine Bildergalerie.

Natürlich seien die Fahrzeuge versichert gewesen. „Aber ich bekomme sicherlich nur den aktuellen Gegenwert und nicht den Neupreis wieder“, vermutet Thiele.

Die Mutter warnte ihren Sohn

Etwa 500 Autos sind seit Jahresbeginn in der Hauptstadt angezündet worden. Erst vor zwei Wochen hatte die Polizei einen Brandstifter festgenommen. Ein 27-jähriger Arbeitsloser hatte gestanden, aus Frust 67 Fahrzeuge in Brand gesteckt zu haben. Viele andere Fälle konnten indes bislang nicht aufgeklärt werden. Aber Thiele will der Polizei keinen Vorwurf machen: „Die können in Berlin nicht jede Nacht einen Beamten vor jedes Auto stellen“, sagt er.

Den Gedanken, dass er selber Opfer in der Brandserie werden könnte, hatte Thiele in den vergangenen Wochen stets aus seinem Kopf verdrängt. Dabei hatte ihn seine Mutter noch gewarnt. Als sich die Vorfälle zuletzt häuften und auch im benachbarten Kiez ein Wagen in Flammen aufgegangen war, hatte sie ihm geraten, seine Autos nicht auf der Straße stehen zu lassen und stattdessen lieber auf ihrem Grundstück zu parken. Der Sohn lehnte ab. „Das wäre sehr unpraktisch gewesen, schließlich brauche ich mein Auto täglich für die Arbeit“, sagt er. So muss er jetzt mit dem Schaden leben - und der Erinnerung, nachts von der Polizei aus dem Bett geklingelt worden zu sein. (dapd)

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