Berlin : Brasilia am Brauhausberg

Enkel von Stararchitekt Niemeyer legt Geheimpläne für Potsdamer Freizeitbad vor

Claus-Dieter Steyer

Potsdam – Brasiliens Stararchitekt Oscar Niemeyer hat seinen Enkel Joào mit einer kühnen Botschaft von Rio de Janeiro nach Potsdam entsandt: Die Stadt erhält ein in der Welt einzigartiges Freizeitbad mit einer unvergleichlichen Ausstrahlung. „Potsdam kann sich freuen“, versicherte der selbst schon lange als Architekt arbeitende Gast während eines Rundgangs über das künftige Baugelände. Sein 98-jähriger Großvater, berühmt geworden durch seine Bauten in Brasilia, hat für den Brauhausberg gegenüber vom Hauptbahnhof einen 31,5 Millionen teuren Schwimm- und Badetempel entworfen. Die ersten Bagger sollen Ende des Jahres anrücken. Für den 31. Juli 2007 ist die Eröffnung geplant. Bereits jetzt hat die Suche nach Blindgängern begonnen. Für das neue Bad werden die dortige alte Schwimmhalle und das geschlossene Restaurant „Minsk“ abgerissen.

Joào Niemeyer hat offenbar die Order erhalten, zum jetzigen Zeitpunkt möglichst wenig Details zu verraten. Erst auf Nachfragen gibt er einiges preis. „Wir bauen mehrere Gebäude, die untereinander mit Kuppeln verbunden sind“, sagt er. „Ein einziges riesiges Dach, wie es heute für Schwimmhallen üblich ist, kommt nicht in Frage.“ Gleichzeitig sollten sich zwischen 1500 bis 2000 Personen in dem Bad aufhalten können. Das zentrale Gebäude werde 20 Meter hoch sein und in der zweiten Etage ein Terrassenrestaurant beherbergen. Der Sport- und Freizeitbereich teile sich in zwei Hälften, um ungehindert Sportwettkämpfe austragen zu können. Außerdem seien großzügige Freibäder geplant.

Erst am 15. Mai soll die Öffentlichkeit mehr Informationen erhalten. Bis dahin entscheidet eine Jury über den Zuschlag für ein Architekturbüro, das die weitere Detailplanungen übernimmt. Beworben hatten sich um den lukrativen Auftrag 95 Büros, fünf kamen in die engere Wahl. Darunter befinden sich auch Architekten aus Berlin und Potsdam.

Joào Niemeyer brachte „elf oder zwölf großformatige Pläne“ mit nach Potsdam, erklärte der Geschäftsführer der Potsdamer Stadtwerke, Peter Paffhausen. Die hundertprozentige Tochtergesellschaft der Stadt tritt als Bauherr für das Freizeitbad auf. Paffhausen hatte im Dezember vergangenen Jahres den Kontakt zu Niemeyer in Rio de Janeiro geknüpft und mit ihm einen Vorvertrag abgeschlossen. Wegen des außergewöhnlich großen Projektes und des hervorragenden Rufs des Architekten war von der Stadtverwaltung auf eine öffentliche Ausschreibung des Projektes verzichtet worden, sehr zum Verdruss der Brandenburgischen Architektenkammer. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) berief sich auf die „Verdingungsordnung für Freiberufler“, die eine Direktvergabe erlaubt. Eine Dienstleistung muss dann beispielsweise aus technischen oder künstlerischen Gründen nur von einer bestimmten Person ausgeführt werden können. „Das ist bei Niemeyer der Fall“, erklärte Jakobs.

Der Stararchitekt, der seit Jahrzehnten kein Flugzeug besteigt und deshalb wohl nie nach Potsdam kommt, erhält für seine Leistungen nach derzeitigen Berechnungen zwischen 550 000 und 580 000 Euro. Das entspreche genau der Honorarordnung, bestätigte Potsdams oberste Baubeamtin Elke von Kuik-Frenz. Zunächst hatte sie eine geringere Summe genannt, aber dabei habe es sich nur um erste Schätzungen gehandelt.

Rund 80 Prozent der Bausumme sollen aus der Landeskasse kommen. „Die schriftliche Zusage erwarten wir zwar erst im August“, sagt Stadtwerke-Chef Paffhausen. „Aber es gibt eindeutige Signale aus der Landesregierung, dass wir fest mit dem Geld rechnen können.“ Seit 2003 steht ein Potsdamer Freizeitbad im Bäderplan des Landes. Dafür musste unter anderem die Havelstadt Werder auf ihr schon 2001 vorgestelltes Freizeitbad verzichten. Eine zypriotische Investorin versprach einen Badespaß in einer „Welt antiker Tempel“. 2005 sollte Eröffnung sein. Die vorgesehenen Fördermittel reichten der Frau aber nicht, und so zog sie sich zurück.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben