Berlin : Bratsche gestohlen, Wettbewerb gewonnen

Amalia Aubert siegte mit einem Ersatzinstrument – und sucht weiter nach dem teuren Original

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Vor einem Wettbewerb flattern die Nerven eines Musikers schon mal. Bei Amalia Aubert war es schlimmer. „Völlig durcheinander“ trat sie im Finale des renommierten MaxRostal-Wettbewerbes auf, denn ihr wurde am Abend zuvor ihre geliebte Bratsche gestohlen. Einfach weg, spurlos verschwunden aus dem Café. Statt zu üben, saß die junge Frau bei der Polizei, um den Diebstahl zu melden.

Mit einem in aller Schnelle geliehenen Ersatzinstrument trat die 26-Jährige dann in der Universität der Künste an – und gewann. Das Preisgeld beträgt 7000 Euro. Aber „dafür bekomme ich gerade mal einen Bogen“, sagte die Musikerin gestern. Das Instrument, mit einem mit Brandstempel von Baumeister S.P.Greiner unter der Nummer 181 gefertigt, hat einen Wert von 20 000 Euro, die drei Bögen von Lamy, Salchow und Dörfler kosten zusammen weitere 21 000 Euro.

Im August erst hatte Amelia Aubert das Instrument bekommen, doch die Freude währte nur kurz – bis zum 15. Oktober. Da saß sie mit ihren Wettbewerbs-Konkurrenten in Mitte im Café Chagall, in den S-Bahn-Bögen an der Friedrichstraße. Weil alle ihre Instrumente dabei hatten, war der Platz eng. Amelia Aubert stellte ihren schwarzen Koffer etwas entfernt ab. Gegen Mitternacht verließen alle Musiker das Café, auch die Bratschistin. Ihr Instrument ließ sie stehen – wohl wegen des Lampenfiebers vor dem Wettbewerb. Am nächsten Morgen war das Instrument verschwunden. Ein Schockfür die Berlinerin, die hier und in Boston studiert hat.

Von der Bratsche fehlt jede Spur. Amelia Aubert klappert Flohmärkte ab, hat in den Fachmedien wie „Vioworld“ Warnungen inseriert. Bislang vergeblich. Die 26-Jährige verspricht einen hohen Finderlohn. Ihr Traum wäre es, das Instrument am 2. November wieder in Händen zu haben. Denn an diesem Tag fängt sie als Bratschistin im Berliner Sinfonie-Orchester an. Wenige Tage später tritt sie erstmals im Schauspielhaus öffentlich auf. Ha

Hinweise an Amalia Aubert unter 2064 8088 oder an die Polizei.

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