Berlin : Brav am Ball

Ariane Bemmer

über die Arbeitszeiten von anständigen Ganoven Wer ein Leben außerhalb des Gesetzes wählt, dem ist, so könnte man meinen, auch sonst jede Konvention wurscht, der pfeift auf jedes Fairnessgebot. Der tritt Pekinesen, der hänselt Kinder mit Brille und klaut Saft aus Kinderwagen. Aber in zwei Punkten, da ist der Ganove ganz Durchschnittsbürger: Ist er noch im jugendlichen Alter, unterbricht er alljährlich pünktlich zum Ferienbeginn sein strafbares Tun, um wie alle anderen Schüler in die Sommerferien zu fahren. Und alle anderen Altersgruppen verfallen wie jedermann nationalen Fernseherlebnissen. Nur selten gipfelt räuberische Gemeinheit darin, dass der Ganove zu Zeiten, in denen die ganze Stadt vor Videoleinwänden sitzt, um gemeinsam dem deutschen Fußballteam bei seinem ersten EM-Spiel zuzujubeln, Beute-Beutel und Dietrich schnappt und vorübergehend verwaiste Wohnungen plündert. Stattdessen – das zeigt die polizeiliche Erfahrung – gucken die meisten Ganoven selbst Fußball. Und was lehrt uns das? Halten Sie Ihre Taschen bei Kneipenfußballgucken fest am Leib, Ihr Nachbar könnte tückisch sein. Und falls am Dienstagabend doch bei Ihnen eingebrochen wurde, verdächtigen Sie eine Frau!

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