Bread & Butter bleibt Fachmesse : Das Publikum muss draußen bleiben

Bread & Butter-Organisator Karl-Heinz Müller scheitert mit seinen Plänen, die Berliner Modemesse für Endverbraucher zu öffnen. Er wollte sie zu einem Lifestyle-Festival weiter entwickeln. Am Standort Tempelhof hält Müller aber fest.

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Mann macht Mode. Bread & Butter-Chef Karl-Heinz Müller (li.) und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit bei der großen Eröffnung der Messe im vergangenen Sommer.
Mann macht Mode. Bread & Butter-Chef Karl-Heinz Müller (li.) und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit bei der großen...Foto: BREUEL-BILD Presse Photo Agency

Karl-Heinz Müller schätzt eigentlich den großen Auftritt, doch am Dienstag verkündete der Chef der Modemesse Bread & Butter mit einer kleinen Meldung seine Niederlage: „Die Bread & Butter bleibt eine Fachmesse“. Sie werde sich für den Publikumsverkehr nicht öffnen. Müller hat sich mit seiner Idee also nicht gegen die Aussteller durchsetzen können. Mitte Dezember hatte er verkündet, aus der Messe auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Berlin-Tempelhof ein „Lifestyle Festival“ machen zu wollen, nicht nur professionelle Einkäufer, Händler und Fachjournalisten sollten Zugang haben, sondern auch Blogger und Konsumenten.

Dafür sollte die Messe, die am 8. Juli startet, von drei auf fünf Tage erweitert werden, die letzten beiden sollten Publikumstage sein. „Diese Idee erschien in der Theorie naheliegend, in der Praxis jedoch stellt sie den Aussteller zusätzlich vor kostenintensive, logistische und organisatorische Herausforderungen“, teilte Müller am Dienstag mit. Es habe für seine Pläne „euphorischer Begeisterung“ gegeben, aber auch „totale Ablehnung“ – letztere überwog offensichtlich.

Schon auf der Messe im Januar hatte sich bei den rund 600 Ausstellern Unmut abgezeichnet, da zwei völlig unterschiedliche Zielgruppen hätten bedient werden müssen. Die professionellen Einkäufer bekommen im Juli die neue Kollektion für Frühjahr/Sommer 2015 präsentiert, den Endverbrauchern aber hätte die Kollektion für den anstehenden Herbst 2014 gezeigt werden müssen, damit ein solches Konzept unter Marketingaspekten überhaupt Sinn gemacht hätte – ohnehin wäre für sie nur Schauen und nicht Kaufen möglich gewesen. Aber selbst dafür hätten die Stände einmal komplett ausgetauscht werden müssen. Viel zu aufwendig, viel zu teuer, hieß es bei vielen Ausstellern.

Die Messe braucht neue Ideen - aber keine Publikumstage

Frank Berndt, der Modemarken wie Gant und C.G. - Club of Gents vertritt, findet den Rückzug richtig. „Das ist eine gute Entscheidung, denn hinter den Plänen steckte kein rundes Konzept“, sagte er dem Tagesspiegel. Ohne Zweifel brauche die Bread & Butter neue Ideen, um weiter attraktiv zu bleiben: „Die nächste Rakete muss gezündet werden, aber Publikumstage einzuführen, ist sicher die falsche Lösung.“ Vielmehr beklagt er, dass es durch viele Satellitenmessen, die rund um die Bread & Butter und die zeitgleich stattfindende Fashion Week entstanden sind, eine „Ausfransung“ gebe.

Fashion Week in Berlin
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Den Standort Tempelhof hält Berndt weiterhin für richtig. Auch Müller bekannte sich am Dienstag klar zu Tempelhof. Fünf Jahre laufe noch der Mietvertrag, mit Option auf weitere zehn Jahre. Auch in der Hauptstadt will er mit seiner Messe bleiben: „Wir sind Berliner und wir bleiben Berliner“. Nach Einschätzung des Senats ist Bread & Butter „die wichtigste Veranstaltung am Standort Tempelhof“, die zweimal im Jahr stattfindet und alle Veranstaltungsflächen für jeweils einen Monat belegt.

Müller plant eine zweite Niederlassung in Südkorea

Allerdings: Derzeit plant Müller eine zweite Niederlassung in Südkorea, um den asiatischen Markt besser bedienen zu können. Möglich, dass aus dem Nebenstandort eines Tages der Hauptstandort wird. Die Berliner Wirtschaftsverwaltung sieht den Standort Berlin dennoch nicht gefährdet. „Die Bread & Butter ist und bleibt ein wichtiger Bestandteil der Fashion Week und wird weiterhin Modebegeisterte und Einkäufer aus aller Welt anziehen“, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Die Wirtschaftskraft der Fashion Week im Januar habe bei rund 120 Millionen Euro gelegen.

Die Wirtschaftsexperten der Koalition finden es auch nicht problematisch, dass es keine Publikumstage geben wird. „Eine Messe muss nur dann den Niedergang befürchten, wenn die professionellen Anbieter nicht mehr kommen“, sagte der SPD-Wirtschaftspolitiker Frank Jahnke. Heiko Melzer, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, sagte, die Bread and Butter sei und bleibe „ein guter und wichtiger Leuchtturm“ in Berlin.

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