Brechdurchfall : Kaum noch neue Durchfallerkrankungen

Die Welle der Magen-Darm-Erkrankungen an Berliner Kindergärten und Schulhorten ebbt ab. Derweil geht die Suche nach dem Auslöser der Durchfallerkrankungen weiter - aber es ist unklar, ob dieser jemals gefunden wird.

Tobias Reichelt
Magen-Darm-Erkrankungen: Kitas und Horte setzen auf Selbstversorgung. Noch bis mindestens Ende dieser Woche wird das so bleiben. Foto: dapd
Magen-Darm-Erkrankungen: Kitas und Horte setzen auf Selbstversorgung. Noch bis mindestens Ende dieser Woche wird das so bleiben.Foto: dapd

Am Dienstag erhöhte sich die Zahl der erkrankten Kinder und Jugendlichen nur noch leicht um 78 auf insgesamt 2732 Fälle. Wie die Senatsverwaltung am Dienstag im Roten Rathaus mitteilte, handelt es sich dabei vorwiegend um Nachmeldungen und nicht mehr um tatsächliche Neuerkrankungen. Der Krankheitshöhepunkt scheint damit überschritten. Derweil geht die Suche nach dem Auslöser der Durchfallerkrankungen weiter. Vereinzelt seien in anderen Bundesländern sogenannte Noroviren nachgewiesen worden. Ob die Viren die Ursache für die Masseninfektion sind, sei weiter unklar, sagte Sabine Töpfer-Kataw, Verbraucherschutz-Staatssekretärin des Berliner Senats. „Wir suchen die Nadel im Heuhaufen.“ Denkbar ist auch, dass die Ursache der Erkrankungen nicht gefunden wird, beispielsweise, weil es nicht nur einen Grund gibt. Dafür spricht der Zeitpunkt der ersten Erkrankungen in Sachsen. Sie sind dem Robert-Koch-Institut zufolge nämlich bereits am 19. September aufgetreten, die meisten anderen erst in der vergangenen Woche.

In den Laboren und  in allen Berliner Gesundheitsämtern soll auch am Mittwoch, dem Feiertag zur Deutschen Einheit, durchgearbeitet werden. Die Hotline der Ämter bleibe auch am Feiertag geschaltet und Eltern könnten am Mittwoch Stuhlproben ihrer betroffenen Kinder in den Gesundheitsämtern der Bezirke abgeben oder sich dort Probenröhrchen abholen. Sonderschichten werde auch die vom Bund und den Ländern eingesetzte Sonderarbeitsgruppe einlegen, um weiterhin alle vorliegenden Erkenntnisse zusammen zu tragen. Am Donnerstag will Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) dann die Berliner Kindergärten und Schulhorte über das weitere Verfahren informieren. Scheeres hoffe, noch in dieser Woche Untersuchungsergebnisse zu bekommen.

Mit dem ins Visier geratenen Caterer Sodexo hatte Scheeres vereinbart, in dieser Woche keine Speisen auszuliefern. Man habe eine Fürsorgepflicht für die Kinder, sagte die Senatorin. Der Essenslieferant werde die bestellten Mahlzeiten nicht in Rechnung stellen. Viele Kindertagesstätten und Schulhorte kümmern sich nun selbst um das Essen für die Kinder, die in den Ferien betreut werden müssen. „Die Institutionen bleiben nicht auf den Kosten sitzen“, versprach Scheeres. Die Bezirksämter stellen den Einrichtungen in dieser Woche jeweils zwei Euro pro Kind und Mahlzeit zur Verfügung, um einen alternativen Anbieter zu finden oder selbst zu kochen. „Das läuft sehr gut und die Versorgung ist gesichert.“

Vor allem Kinder, die in von Sodexo belieferten Kantinen gegessen hatten, sind von der Erkrankung betroffen. Die meisten Fälle wurden im Bezirk Marzahn-Hellersdorf gemeldet, dort sind es allein 570 Kinder. In Lichtenberg sind 484, in Reinickendorf 476 Fälle bekannt, in Neukölln sind es hingegen nur 22, in Spandau nur zehn.

Der Verdacht, dass die Ursache bei einem Zulieferer der Catering-Firma liegt, habe sich indes erhärtet, sagte Staatssekretärin Töpfer-Kataw. Um welche Lebensmittel es sich dabei handelte, sagte sie nicht. Nicht an allen von einer Sodexo-Großküche belieferten Einrichtungen sind Magen-Darm-Erkrankungen aufgetreten. Man gleiche weiter die Speisepläne betroffener Kinder ab, um den Verursacher weiter einzugrenzen. „Wir haben zwei Zulieferer im Visier.“ Es handele sich dabei nicht um Berliner Unternehmen. Namen wollte die Staatssekretärin nicht nennen.

Sodexo habe seine Küchen angewiesen, das in der vergangenen Woche produzierte Essen sicherzustellen. Alle gelagerten Lebensmittel wurden zurückgezogen, produziert wird nur noch mit neuer Ware, sagte Töpfer-Kataw. Die Lagerräume und Küchen des Essenslieferanten würden gereinigt und desinfiziert. Beamte aus den Bezirken sollen alle Räume anschließend kontrollieren.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres kündigte indes an, künftig besser auf solche Erkrankungswellen vorbereitet sein zu wollen und mögliche Ursachen von vornherein auszuschließen. Sie will ein Gesamtkonzept zum Thema Essensqualität an Berliner Kindergärten und Schulen auf den Weg bringen. „Es muss um mehr Geld im System und um mehr Kontrolle gehen.“ Waren, Personalkosten und auch die Infrastruktur gehörten auf den Prüfstand. Sie könne sich auch vorstellen, dass künftig die Schulen selbst die gelieferten Speisen kontrollieren. Zudem müsse über regelmäßige Essensausschüsse nachgedacht werden, in denen Schüler, Lehrer, Eltern und Caterer über die Qualität der gelieferten Speisen  beraten.

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