Brechdurchfall : Norovirus setzt tausende Berliner matt

Das Virus hat bereits 10.000 Berliner in diesem Jahr erwischt. Der Höhepunkt der Ansteckungswelle wird in den kommenden Wochen erwartet.

Rainer W. During

Nicht nur klagen immer mehr Berliner dieser Tage über Schnupfen und Husten. Jetzt geht in der Stadt auch noch das aggressive Norovirus um, bei dem die Erkrankten an heftigem Brechdurchfall leiden. Das Robert-Koch-Institut (RKI) verzeichnet gegenwärtig eine „starken Aktivität“ des Erregers. Nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) wurden allein in der ersten Dezemberwoche 817 neue Fälle registriert. Das ist die bisher höchste Zahl von Neuerkrankungen in diesem Jahr. Im Vergleichszeitraum des Jahres 2006 waren es nur 331 Infektionen.

Insgesamt hat das Virus in den ersten 50 Wochen des Jahres schon 10 000 Berliner erwischt. Im Vorjahreszeitraum waren es 3800. Dabei wird mit einer hohen Dunkelziffer gerechnet, da viele keinen Arzt aufsuchen. Und Experten befürchten, dass es noch schlimmer kommt: Sie erwarten den Höhepunkt der Infektionswelle erst im Januar oder Februar.

Unklar ist noch, ob der Anstieg auf eine stärkere Verbreitung des Virus oder auf bessere Nachweismethoden zurückzuführen ist. Fest steht: Kleinkinder, Senioren und Menschen, die bereits von einer Erkältung geschwächt sind, stecken sich besonders leicht an.

Opfer des Norovirus leiden unter starkem Durchfall und Erbrechen. Gegen den Erreger gibt es bisher weder ein Medikament noch einen Impfstoff. Das Virus ist unempfindlich gegenüber Kälte oder Hitze und kann nur durch Desinfektion mit relativ scharfen Mitteln bekämpft werden, die beispielsweise in Kindergärten nicht angewandt werden dürfen. Vor einer Ansteckung schützt nur Hygiene. Da das Virus durch Stuhlgang oder Erbrochenes übertragen wird, sollte man möglichst auf die Benutzung öffentlicher Toiletten verzichten. Ratsam ist es außerdem, sich oft und gründlich die Hände zu waschen.

Besonders schnell breiten sich die Erreger in Einrichtungen wie Kinder-, Senioren- und Pflegeheimen sowie Krankenhäusern aus. Trotz der strengen Hygieneregeln dort lässt sich der Ausbruch des Norovirus nicht immer verhindern. So verzeichneten die Vivantes-Kliniken zum Monatsbeginn eine regelrechte Erkrankungswelle. Inzwischen sind die Infektionen hier wieder abgeklungen.

Diejenigen, die es erwischt hat, sollten im Bett bleiben, sich warm halten und viel trinken, rät René Herrmann vom LaGeSo. Meist klingt die Erkrankung nach ein bis drei Tagen ab. In Berlin wurde in diesem Jahr aber auch ein Todesfall auf das Norovirus zurückgeführt.

Ist eine Person im Haushalt erkrankt, sollten Kontaktflächen wie Toiletten- und Waschbecken sowie Türgriffe regelmäßig gereinigt werden. Handtücher und Bettwäsche sollten bei mindestens 60 Grad gewaschen werden, empfiehlt das RKI. Da das Virus auch nach dem Abklingen der Symptome noch ein bis zwei Wochen lang ausgeschieden wird, ist auch dann noch eine besondere Hygiene notwendig.

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