Berlin : Breite Palette

Trotz Pisa: Keine andere deutsche Stadt bietet so viele schulische Talentschmieden

Susanne Vieth-Entus

Tanzen wie Nurejew, rechnen wie Einstein, schwimmen wie van Almsick oder geigen wie Anne-Sophie Mutter – wer sein Kind in Berlin zur Schule schickt, kann jedes nur mögliche Talent fördern. Zu verdanken ist dies dem DDR-Erbe, das eben nicht nur in Einheitsschulen bestand, sondern auch in Spezialschulen: Von der Staatlichen Ballettschule und Schule für Artistik über die Musik-Gymnasien bis hin zu den Sportler- und Mathematiker-Schmieden hat Berlin mehr zu bieten als jede andere deutsche Stadt.

Dieser große Vorsprung wurde nicht nur bewahrt, sondern weiter ausgebaut. Einmalig ist die Vielfalt an bilingualen Einrichtungen: Seit den neunziger Jahren wurden 29 Europaschulen errichtet, in denen Kinder von Anfang an zweisprachig alphabetisiert werden. Zu den ersten Partnersprachen Englisch, Französisch und Russisch kamen nach und nach Italienisch, Türkisch, Spanisch, Portugiesisch, Polnisch und Griechisch hinzu. Wer nach dem Abitur beispielsweise in Rom oder Mailand studieren will, braucht dort nicht einmal mehr eine Aufnahmeprüfung abzulegen.

In Sachen Fremdsprachenlernen hat Berlin aber nicht nur dank der Europaschulen die Nase vorn. Denn zusätzlich gibt es noch etliche Schulen, die mit besonders ausgefallenen Sprachen punkten. So wird bald – bundesweit einmalig – Chinesisch als zweite Fremdsprache angeboten. Das Japanische hat diese Hürde schon vor zwei Jahren genommen. Selbst für Niederländisch, Arabisch und Hebräisch bietet Berlins Schulverzeichnis Angebote. Und für Highschool-Freunde gibt es die deutsch-amerikanische John-F.-Kennedy-Schule.

Wer keine Spezialbegabung hat, sondern ein Allround-Talent ist, dem bieten sich ebenfalls viele Möglichkeiten. Vor Jahren wurde ein Verbund für hochbegabte Schüler ins Leben gerufen, der bereits in den Grundschulen anspruchsvolle Nachmittagsangebote bereithält sowie die Kooperation mit Universitäten. Ab Klasse 5 kann man auf Schnellläufer-Gymnasien wechseln, die das Abitur nach schon elf Jahren ermöglichen. Diese „Express-Züge“ gibt es in jedem Bezirk, sie sind also gut erreichbar.

Abgesehen von diesen Besonderheiten jüngeren Datums gibt es auch noch die guten alten Adressen, die selbst für Zuzügler aus feineren Gegenden Hamburgs oder Münchens attraktiv sein dürften: das katholische Canisius-Kolleg, das Evangelische Gymnasium zum Grauen Kloster, das Gymnasium Steglitz, das Goethe-Gymnasium und das Humboldt- Gymnasium, um nur einige zu nennen.

Wem das alles zu lateinlastig ist, muss auch nicht verzagen, weil einige Schulen längst das Internationale Abitur anbieten, mit dem man fast überall auf der Welt studieren kann. Und wem auch das noch nicht reicht, weil er doch eigentlich sehr frankophil und zudem noch traditionsbewusst ist, der kann sich dem Französischen Gymnasium zuwenden, das schon seit 1689 in Berlin eine gute Adresse ist.

Fazit: Berlin liegt zwar im Pisa-Ranking auf eher bescheidenem Platz, bietet aber eine Menge Chancen durch die Vielfalt der Schulen.

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