Berlin : Breite Unterstützung

SPD und PDS begrüßen Bundestags-Antrag Chef des Alliierten-Museums für neues Konzept

Ulrich Zawatka-Gerlach

Im Gedenken an die Teilung Berlins klafft in der Hauptstadt offenbar eine Lücke. Der Vorschlag von vier Bundestagsabgeordneten, am Brandenburger Tor einen „zentralen Ort zur Dokumentation und Erinnerung an die Mauer vorzusehen“, wird deshalb von den Koalitionsfraktionen SPD und PDS unterstützt. „Ich rate dem Senat, die Initiative positiv aufzunehmen und sich mit dem Bund über ein Konzept zu verständigen“, sagte der PDS-Landes- und Fraktionschef Stefan Liebich dem Tagesspiegel. „Ich habe nichts gegen ein Zusatzangebot.“

Ähnlich reagierten die Sozialdemokraten auf den Antrag der Bundestagsabgeordneten Carl-Ludwig Thiele (FDP), Stephan Hilsberg (SPD), Franziska Eichstädt-Bohlig (Grüne) und Werner Kuhn (CDU). „Dieser Vorstoß, aber auch die private Initiative von Frau Hildebrandt am Checkpoint Charlie zeigen das erhebliche Bedürfnis, über etwas Neues nachzudenken“, sagte der SPD-Fraktionschef Peter Stadtmüller. Eine solche Mahnmal-Debatte könne aber nur „im Konsens zwischen allen Beteiligten und im Einvernehmen mit dem Bund“ erfolgreich sein.

Die Parlamentsinitiative ging von dem FDP-Abgeordneten Thiele aus. Dem Rechtsanwalt aus Osnabrück fiel beim Spaziergang am Brandenburger Tor auf, dass er seinen Kindern die Teilung Berlins und den Mauerfall dort nicht begreifbar machen kann. „Ja, am Brandenburger Tor muss für Touristen und Berliner etwas sichtbar werden“, findet auch die Grünen-Politikerin Eichstädt-Bohlig. Auf der Westseite des Tores sei Platz für ein Denkmal. „Vielleicht eine künstlerische Assoziation an die Mauer, aber auch an deren Überwindung.“ Außerdem vermisst sie ein „qualifiziertes Informationszentrum“, das etwa im Deutschen Historischen Museum Platz finden könnte.

Der Sozialdemokrat Hilsberg kritisiert, dass Berlin seit 1990 „seine historische Bedeutung verdrängt, statt sie nach außen zu kehren“. Die Mauer-Gedenkstätte an der Bernauer Straße sei doch „ein Trauerspiel“. Hilsberg kann sich am Brandenburger Tor ein kompaktes Dokumentationszentrum „auf 200 Quadratmetern“ vorstellen. Verbunden mit einem „künstlerischen Symbol“ und einer Tafel mit den Namen der Maueropfer. Günter Nooke, kulturpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, unterstützt die neue Mahnmal-Debatte. Obwohl er vom Standort Brandenburger Tor nicht viel hält. „Aber es ist sträflich, dass es Berlin in den letzten 15 Jahren nicht verstanden hat, das Thema richtig zu verarbeiten und für seine Außenwirkung zu nutzen.“ Auch der Chef des Alliierten Museums, Helmut Trotnow, vermisst ein „verbindliches Gesamtkonzept“ für Mauergedenkstätten. Der Bundespräsident solle sich der Sache annehmen. Das „Hollywood-Szenario“ am Checkpoint Charlie sei keine Alternative.

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