• Breitscheidplatz in Berlin-Charlottenburg: So erlebte eine Augenzeugin den Lkw-Anschlag

Breitscheidplatz in Berlin-Charlottenburg : So erlebte eine Augenzeugin den Lkw-Anschlag

Die Studentin Mareike-Vic Schreiber entkam dem Lastwagen nur um wenige Zentimeter. Sie will sich durch den Anschlag aber nicht ihre Silvester-Pläne kaputt machen lassen.

Eine Spur der Verwüstung hat der Lastwagen auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz hinterlassen.
Eine Spur der Verwüstung hat der Lastwagen auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz hinterlassen.Foto: Rainer Jensen/dpa

Mareike-Vic Schreiber ist dem Tod auf dem Weihnachtsmarkt nur um wenige Zentimeter entkommen. Die 23-jährige Studentin aus Neuseddin war mit ihrer Mutter und ihrer Großmutter auf dem Markt, als der Lastwagen durch genau die Budenstraße raste, die sie entlanggingen. "Wir hatten davor eine Lichterstadtrundfahrt durch Berlin gemacht, der Weihnachtsmarkt war die letzte Station", sagt Schreiber am Tag danach den Potsdamer Neueste Nachrichten.

Sie seien schon einige Zeit auf dem Markt unterwegs gewesen und wollten gerade Richtung Ausgang gehen. "Ich hatte mir noch etwa zu Essen geholt und war damit ganz beschäftigt, als meine Mama sich plötzlich total erschreckt hat", erinnert sie sich. Als sie aufblickte, sah sie den Laster auf sich zurasen.

Was in den Sekunden danach passierte, weiß Mareike-Vic Schreiber nicht mehr ganz genau, doch plötzlich lagen sie alle drei auf dem Boden. "Ich glaube, der Lkw hat mich tatsächlich angefahren", so die Studentin. Sie sei von den dreien am nächsten an dem Lastwagen gewesen und meint, sich an eine Berührung zu erinnern.

Blaue Flecken am Arm

Dafür spreche auch, dass sie Schmerzen im Arm und blaue Flecken habe. Ihre Mutter und ihre 88-jährige Großmutter klagen ebenfalls über Schmerzen in den Beinen - womöglich durch den Sturz auf die Straße.

Als die drei sich wieder aufgerappelt hatten, machten sie sich direkt auf den Weg zum Bahnhof Zoo. "Wir wollten einfach nur so schnell wie möglich weg", sagt Mareike-Vic Schreiber. Während die Mutter und die Großmutter mit den Zug nach Neuseddin fuhren, stieg sie in die S-Bahn, um in ihre Wohngemeinschaft im Prenzlauer Berg zu fahren. Dort sei glücklicherweise ihre Mitbewohnerin gewesen, mit der sie sich austauschen konnte.

Sich nicht einschüchtern lassen

Dass es ein Anschlag und kein Unfall war, sei ihr von der ersten Sekunde an bewusst gewesen, sagt die 23-Jährige, die an der Technischen Universität ihren Master in Sprache und Kommunikation macht. "Ich habe sofort an Frankreich gedacht". Die Großmutter sei zunächst noch davon ausgegangen, dass der Fahrer betrunken gewesen sei. "Aber mir war klar, dass niemand mit so einer Geschwindigkeit um die Kurve fährt."

Am Tag nach dem Anschlag ist Schreiber zu ihrer Mutter nach Neuseddin gefahren, eine Verabredung mit Freundinnen in Berlin hat sie abgesagt. Weihnachtsmärkte will sie in den kommenden Tagen keine mehr besuchen, generell will sie sich aber nicht einschüchtern lassen. An Silvester hat sie zum Beispiel geplant, Freunde in Hamburg zu besuchen. Das will sie auch tun. (wik)

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Hilfe für Opfer und Augenzeugen: Je schneller bei traumatisierenden Ereignissen den Opfern jemand zur Seite steht, desto besser. Ein Überblick über Anlaufstellen für Opfer und Angehörige.

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"Wir lassen uns nicht auseinander treiben", predigte Bischof Heiner Koch. Hunderte Menschen kamen zur Trauerandacht in die Hedwigskathedrale.

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