Breitscheidplatz in Berlin : Wie Eltern und Lehrer die Katastrophe erklären

In einer Pankower Schule wird eine Andacht gehalten. In Köpenick wird diskutiert. Und was empfiehlt die Schulverwaltung?

von , , , und Kevin P. Hoffmann
Eltern und Lehrer müssen das Unbegreifliche erklären. Oder es versuchen. Fotos: Imago, dpa
Eltern und Lehrer müssen das Unbegreifliche erklären. Oder es versuchen.Fotos: Imago, dpa

Nach dem mutmaßlichen Anschlag in Berlin - wie soll mit Kindern geredet werden? "Die Lehrkräfte sollten mit ihren Schülern altersangemessen über das Geschehen sprechen", empfiehlt die Senatsverwaltung für Bildung - ebenso wie nach dem Attentat in Nizza. Bei sehr kleinen Kindern, also den Erst- oder Zweitklässlern, könne man es davon abhängig machen, ob sie es von sich aus thematisieren, sagte Sprecherin Beate Stoffers am Morgen dem Tagesspiegel. Ob sich auch Berliner Schüler unter den Opfern befinden, konnte sie noch nicht sagen, zumal sie über die Geburtsdaten der Toten noch keine Klarheit hatte. Empfehlungen zu Trauerminuten werden von der Senatskanzlei erwartet. Auch ein Kondolenzbuch soll es geben.

An der Evangelischen Schule in Pankow wird es beispielsweise eine Andacht für alle Schüler ab Klasse 3 geben. Im Mittelpunkt steht ein evangelisches Adventslied "Die Nacht ist vorgedrungen" von Jochen Klepper. Außerdem werde es Fürbitten und Gebete geben. 

Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz
Am 22. Dezember wurden am Breitscheidplatz Betonpoller aufgestellt vom Technischen Hilfswerk. Foto: REUTERSWeitere Bilder anzeigen
1 von 50Foto: REUTERS
22.12.2016 10:17Am 22. Dezember wurden am Breitscheidplatz Betonpoller aufgestellt vom Technischen Hilfswerk.

"Wir wissen seit den Anschlägen von Paris, dass die Kinder ab etwa dritter Klasse in der Regel informiert sind", sagt Gunnar Hermann, Direktor der Schule. Es gelte mit Fingerspitzengefühl die Fragen und Ängste aufzunehmen. "Wir versuchen den Kindern erstmal die Angst zu nehmen", sagt Hermann weiter. 

"Soll ein Terrorist Kindern den Spaß verderben?"

Eine Schulklasse aus Köpenick hatte für den heutigen Dienstag einen Ausflug in ein Theater am Ku'damm geplant. Schon kurz nach den ersten Eilmeldungen am Abend ging die Debatte los in der WhatsApp-Gruppe der Eltern. Einige schrieben: "Sicherheit geht vor. Mein Kind fährt nicht." In Köpenick sei man sichere, mutmaßten einige. Andere argumentierten, wohl selten sei die Stadt so sicher wie nach diesem Anschlag. Man möge der Lehrerin vertrauen. Soll ein Terrorist Kindern den Spaß verderben? Auch noch das? Schwierige Fragen - neben der: Wie erklärt man es den Kindern? Wohl möglichst sachlich, unaufgeregt.

"In deiner Kita passiert das nicht"

Vor einem Jahr, nach den Anschlägen von Paris, sprachen wir über das Thema mit dem Traumatologen Christian Lüdke.  Er sagte damals zu der Frage ,Wie redet man mit einem Kind über so eine Tat?': "Bis zum Alter von drei Jahren gar nicht. Danach, bis zehn, würde ich nur mit ihnen reden, wenn sie aktiv danach fragen. Ab zehn oder danach kann man mit Kindern ganz normal und sachlich reden. Auf keinen Fall sollte man aber Verunsicherung zeigen. Mama und Papa sind für Kinder Sicherheitsgaranten, wenn die erschüttert sind, überträgt sich das auch auf sie. Wenn Kinder jetzt fragen, kann das auch bei mir in der Kita passieren, wäre die richtige Antwort: Nein, das ist in Paris passiert, in deiner Kita passiert das nicht." "Es ist eine Lüge, oder?" "Nein. Es ist eine Zwischenform der Wahrheit. Sonst entsteht Panik im Kind." Vor einem Jahr konnte man noch sagen, "das ist in Paris passiert". Das geht heute nicht mehr (ein neues Interview finden Sie unter dem Link weiter unten). 

+++

Wie rede ich jetzt mit den Kindern? Der erfahrene Traumatologe Christian Lüdke sagt, wie wir mit unseren Kindern nach der Katastrophe vom Breitscheidplatz reden sollten und was wir nicht tun dürfen: Angst zeigen

 +++

Dialog mit einem Zwölfjährigen: Was sich ein zwölfjähriger Berliner Schüler für heute wünscht und wie er von den Ereignissen am Breitscheidplatz am Morgen erfuhr.

+++

Was man bisher über den Verdächtigen weiß: Der mutmaßliche Täter soll seit knapp einem Jahr in Deutschland leben. Zuletzt soll er in Berlin gewohnt haben in einer Flüchtlingsunterkunft. Nachts gab es eine Razzia in Tempelhof.

1 Kommentar

Neuester Kommentar