Berlin : Brennen für Berlin

Kandidaten von außen brauchen Lust auf die Stadt und die Anbindung an ihre Landespartei

Werner van Bebber

Es gibt einige Bundespolitiker, die ihre Karrieren in Berlin beschleunigt haben. Einer aber landete danach im Aus. Friedbert Pflüger wäre, wenn die CDU ihn nominiert, der vierte Bundespolitiker, der hier antritt, selbstverständlich vor allem zum Wohl der Stadt und ein wenig zur Vergrößerung des eigenen Ruhms. Hans-Jochen Vogel, Hans Apel, Richard von Weizsäcker, eventuell Pflüger: immer stellte sich die Frage, wie die Politimporte in die Berliner Parteien eingebunden werden sollten. Kein Kandidat musste oder muss sein Bundestagsmandat aufgeben. Doch wer gekommen war, um eine Krise zu beenden, der musste, um glaubwürdig zu sein, auch zeigen, dass er Verantwortung übernehmen wollte. Denn die Politimporte wurden geholt, um Krisen zu lösen.

Die Krise der Berliner Union, die mit dem Bankenskandal begann, erinnert an die SPD-Krise, in der Hans-Jochen Vogel kam – als deren Langversion. Der Absturz der Partei, die von Ernst Reuter über Willy Brandt, Klaus Schütz und Heinrich Albertz bekannte Regierende getragen hatte, kam vor 25 Jahren, im Januar 1981. Dem Regierenden Bürgermeister Dietrich Stobbe brach der Senat wegen des Garski-Skandals auseinander. Stobbe scheiterte bei dem Versuch, einen neuen Senat zu bilden. Die Bundespartei entsandte Hans-Jochen Vogel nach Berlin. Dessen Versuch, die Dinge zu richten, könnte man als „Modell Feldbett“ beschreiben: Vogel berserkerte in den Monaten bis zur Neuwahl derart, dass er sein Nachtlager gleich im Schöneberger Arbeitszimmer aufschlug.

Aber der Mann, der in München Oberbürgermeister gewesen war und als Justizminister unter Helmut Schmidt Ansehen erworben hatte, stand in Berlin vor fast unlösbaren Aufgaben: Senatsbildung, Umgang mit den straßenkampfbereiten Hausbesetzern, Wahlkampf. Vogel bildete einen Senat, entwickelte die Berliner Linie, um den Streit mit den Besetzern beizulegen, und führte Wahlkampf. Aber seine Partei war derart zerstritten, dass alle Feldbettaskese nichts half: Die Berliner wählten zu 48 Prozent die CDU – mit Richard von Weizsäcker.

Im Gegensatz zum Modell Feldbett steht von Weizsäcker für das „Modell Dahlem“: Er war schon Berliner. Und anders als Vogel, der eine bundespolitische Karriere in großer Flughöhe unterbrach, um in Berliner Angelegenheiten zu versinken, nutzte von Weizsäcker die Berliner Politik als Startbahn für einen bundespolitischen Höhenflug. Weizsäcker war in Berlin zwischengelandet. Damals sagte man ihm nach, das Berliner Engagement könne ihm nur nutzen – denn in der Umgebung von Helmut Kohl werde er nichts mehr werden. So hatte er sich im März ’79 als Spitzenkandidat aufstellen lassen, ruhmreich verloren, 1981 den CDU-Landesvorsitz übernommen und im Mai glorios gegen Vogel gewonnen. 1985 wurde er Bundespräsident.

Vier Jahre später versuchte es die SPD abermals mit einem Import. Hans Apel, einer der Stützen Helmut Schmidts als Finanz- und Verteidigungsminister, kam schweren Herzens und stieß auf eine nach links gedriftete Berliner SPD. Die hatte weniger den Wahlkampf im Sinn als einen neuen Grundsatzstreit um den Nato-Doppelbeschluss und die Nachrüstung. Ihre Vormänner ekelten den „Nachrüstungsminister“ durch den Wahlkampf – und Apel, Hamburger von Herzen, beließ es bei einem Hotelzimmer. Er sagte, er sei Parteisoldat, wirkte wie ein Söldner und war froh, als er mit der Berliner SPD nichts mehr zu tun hatte.

Wie sich Pflüger – sollte er spitzenkandidieren – mit der CDU verbinden wird, ist offen. Er könnte Landesvorsitzender werden, doch vom Fraktionsvorsitz ist nicht die Rede. Womöglich verspricht ihm die Partei auch Platz eins auf der Landesliste für die nächste Bundestagswahl – alles Verhandlungssache. Hauptsache, er „brennt für die Stadt“, wie einer aus der Kandidatenfindungskommission jetzt sagt.

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